Wie eine Bewegung unser Verständnis von Design und Architektur prägte 

14 Jahre. Länger brauchte es nicht, um das Verständnis von Design und Architektur zu revolutionieren. 1919 wurde mit der Gründung des Bauhaus eine der einflussreichsten Stilbewegungen geschaffen. 100 Jahre später blicken wir auf den Anfang der visionären Einrichtung zurück.

Bewegung der Moderne

Mit der Gründung einer staatlichen Kunstschule in Weimar legte der deutsche Architekt Walter Gropius den Grundstein für ein neues Verständnis von Design, Kunst und Architektur. Das Bauhaus sollte einen Neubeginn der Baukultur begründen, der unabhängig von der gesellschaftlichen Verankerung der Mitarbeiter stattfinden konnte. Gropius wollte die Rückbesinnung auf den Kern des Handwerks fördern, indem er der Trennung von Künstlern und Handwerkern entgegen wirkte. Kunst und Handwerk sollten nicht länger getrennt voneinander unterrichtet werden, da Handwerk eine Kunst und umgekehrt Kunst ein Handwerk sei. Auch die akademische Zugangsbedingungen wurden aufgehoben. Jeder begabte junge Mensch sollte die Möglichkeit erhalten, sich am Weimarer Bauhaus beweisen zu können, ohne durch Schulabschluss, Geschlecht oder Staatsangehörigkeit daran gehindert zu werden. Je nach Semester gab es unter den rund 150 bis 200 eingeschriebenen Studenten zwischen 25 bis 50 Prozent Frauen und 17 bis 33 Prozent ausländische Studierende. Gropius schuf damit nicht nur eine Gegenbewegung zur Massenproduktion, sondern gründete eine Bewegung der Moderne, die bis heute durch die Aufhebung gesellschaftlicher Unterschiede gekennzeichnet wird.

Das Bauhaus bestand nur 14 Jahre: als Staatliches Bauhaus in Weimar, als Hochschule für Gestaltung in Dessau und als private Lehranstalt in Berlin. […] Seine Ideen wirkten weit über die Schule, ihre Orte und ihre Zeit hinaus.

— Bauhaus 100

Einheit aus Kunst und Handwerk

Das Ziel des Studiums lag darin, die Einheit aus Kunst und Technik zu beherrschen. Dafür lernten die Studenten in den verschiedenen Werkstätten, die von Grafik über Architektur bis zu Bühnenbildnerei reichten, nicht nur die Technik des Handwerks kennen, sondern wurden auch mit der ästhetischen Formgebung vertraut gemacht. Das Bauhausgebäude in Dessau ist dabei nur ein Beispiel für das Architekturverständnis des Bauhaus: Nach dem Motto “Form folgt Funktion” bestimmten klare, minimale Formen die Entwürfe der Bewegung. Die Möbelstücke, die in den Werkstätten der Kunstschule entstanden, waren letztendlich bloß eine Art Nebenerzeugnisse. Dabei sind es gerade jene ikonischen Entwürfe wie die Wagenfeld-Leuchte (hier geht es zu unseren liebsten Designleuchten aller Zeiten) oder der Freischwinger, die bis heute den Kern der Bauhaus-Philosophie transportieren. Die klaren Linien der einzelnen Elemente, die zeitlose Gestaltung und die erkennbare Einheit von Kunst und Handwerk machen die Möbelstücke zu eleganten Klassikern der Moderne.

Das Ende einer Ära

Nach der politisch erzwungenen Schließung des Bauhaus in Weimar folgte 1925 der Umzug nach Dessau. Durch die Umstrukturierung der staatlichen Kunstschule zu einer “Hochschule für Gestaltung” konnte die in Weimar proklamierte Einheit von Kunst und Technik endlich vollständig zum Tragen kommen, das Bauhaus erlebte seine Blüte. Doch auch in Dessau blieben Misstrauen und Unruhen nicht aus, weshalb Gropius ab 1927 um das politische Überleben der Schule kämpfen musste. Im September 1932 beschloss die Stadt Dessau die Auflösung des Bauhauses. Der anschließende Umzug der Schule in eine alte Telefonfabrik in Berlin blieb bis zur endgültigen Schließung der Schule am 20. Juli 1933 nur noch Episode.

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