Moderne Kunst in neuen Dimensionen

 

Seit Oktober 2019 erscheint das Museum of Modern Art (MoMA) in New York in neuer Form. In erweiterten Galerien und Räumen zeigt das wohl einflussreichste Kunstmuseum unserer Zeit eine neue Dimension des künstlerischen Schaffens.

Die Geschichte des MoMA

 

Die Idee, zeitgenössische Kunst in den Big Apple zu bringen, entstand 1928 – beim gemeinsamen Mittagessen der drei New Yorkerinnen Abby Rockefeller, Lillie P. Bliss und Mary Quinn Sullivan. Weniger als ein Jahr später eröffnete das Museum of Modern Art im zwölften Stock eines Bürogebäudes in der 730 Fifth Avenue als eine der ersten Institutionen in den USA, die sich ausschließlich der Ausstellung moderner Kunst widmete. Damit betrat das MoMA ein bislang unbekanntes Gebiet: Die ersten Werke, die in die Sammlung aufgenommen wurden, waren acht (größtenteils deutsche expressionistische) Drucke. 1934 erhielt das Museum das Vermächtnis der verstorbenen Mitbegründerin Lillie P. Bliss – mehrere außergewöhnliche Werke des Postimpressionismus, die noch heute in den Galerien zu sehen sind.

 

Das Museum of Modern Art ist ein integrativer Ort, der die Offenheit und Toleranz der Kunst zelebriert; ein Ort, der unterschiedliche kulturelle, künstlerische, soziale und politische Positionen willkommen heißt und zum Nachdenken anregt; ein Ort, der sich mit der Kunst, der Kreativität und den Themen unserer Zeit auseinandersetzt.

Die größten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts 

 

Über die Jahre wurde die Sammlung um bedeutende Stücke des 20. Jahrhunderts ergänzt: Die Werke großer Namen wie Monet, Mondrian und Miró finden sich neben Arbeiten junger und bislang unbekannter Künstler. Picassos „Les Demoiselles d’Avignon“ (1907) – ein Porträt Pariser Prostituierter, Vincent van Goghs „Sternennacht“ (1889) und Frida Kahlos „Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar“ sind nur einige der Meisterwerke, die das Museum beherbergt. 1996 nahm die Sammlung auch Andy Warhols ikonisches Pop-Art-Werk „Campbell’s Soup Cans“ auf: 32 in Acryl gemalte Konservendosen, die in vier Regalreihen zu acht Dosen arrangiert wurden. Mit mehr als 140.000 gesammelten Werken entwickelte sich das MoMA zum weltweit einflussreichsten Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Bis 2013 gehörte „der Schrei“ (1895) des norwegischen Malers Edvard Munch für viele Kunstliebhaber zu den Highlights der Sammlung. Im Jahr 2012 ersteigerte ein anonymer Bieter das Bild jedoch für fast 120 Millionen Dollar – der bislang höchste Preis, der je für ein Kunstwerk geboten wurde.

 

Mit mehr als 140.000 Werken entwickelte sich das MoMA zum weltweit einflussreichsten Museum für moderne Kunst. ❝

© AP / FAZ.net

Das MoMA auf Expansionskurs

 

Nach knapp 90 Jahren Museumsbetrieb wurde das MoMA im Juni 2019 für die geplanten Renovierungsarbeiten vorübergehend geschlossen. Über vier Monate erstreckte sich der spektakuläre Aus- und Umbau, mit dem sich das Museum neu erfindet – nicht zuletzt um auch die jüngere Generation zu erreichen. Bis zur Neueröffnung am 21. Oktober 2019 wurden dafür ganze 450 Millionen US-Dollar investiert. Nach der Expansion nach links, rechts und nach oben erstreckt sich das Museumsgelände über einen gesamten Straßenblock in Manhattan. Die mehr als 60 neuen Galerien sind veredelt mit Granit, Marmor und Walnussholz; alles wirkt lichter und luftiger. Auch der Eingangsbereich erstrahlt in einem neuen und großflächigen Glanz, mit mehr Tageslicht, bodentiefen Fenstern und viel Liebe zum Detail. 

Die Expansion erlaubt es uns, das Museumserlebnis neu zu entdecken.

Glenn Lowry, Direktor des Museum of Modern Art (MoMA)

Kunst und Kultur für Jedermann

 

Der Umbau hat die Gesamtfläche des Museums um ein Drittel vergrößert – auf insgesamt 66.000 Quadratmeter. Während bisher nur ein Bruchteil der Kunstwerke zu sehen war, soll nun die gesamte Sammlung in choreografierter Rotation gezeigt werden: Über eineinhalb Jahre werden die meisten Wände alle sechs Monate neu behängt. Für die rund drei Millionen Besucher im Jahr entsteht damit ein Anreiz, den Museumsbesuch in regelmäßigen Abständen zu wiederholen –  wie in einem Newsfeed, der sich regelmäßig neu sortiert. Neben dem erweiterten Kunstangebot wurden neue Räume für Performance, Tanz, Musik und Kinovorstellungen geschaffen; die „Project Gallery“ zeigt ein wechselndes Programm aus Kunst und Kultur. Erstmals in der Geschichte des MoMA kann zudem eine gesamte Etage völlig kostenfrei besichtigt werden. Damit soll auch Besuchern, die sich den Eintritt von 25 US-Dollern nicht leisten können, ein Einblick in die moderne Kunst gewährt werden.

Das neue MoMA soll dabei mehr sein, als nur eine physische Erweiterung. Es soll stellvertretend für eine neue Art stehen, die Kunst unserer Zeit zu verstehen und mit der Außenwelt zu teilen. Trotz seiner weiblichen Wurzeln war das MoMA lange Zeit eine männerdominierte, patriarchalisch-westlich orientierte Institution. Nach dem Umbau sollen mehr Frauen und Minderheiten abgebildet werden, die nicht nur aus den USA, sondern auch aus Afrika, Asien und Südamerika stammen, und so die Toleranz und Offenheit des modernen Kunstverständnis in den Fokus rücken.

Headerbild © Archdaily

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