Ich bin dann mal weg…

Nach dem Abitur nach Australien, Neuseeland oder in die USA: Ein Auslandsjahr ist heute keine Seltenheit mehr. In einer Umfrage gaben knapp 25 Prozent der rund 2.000 Teilnehmer an, nach dem Schulabschluss für einen längeren Aufenthalt ins Ausland gehen zu wollen. 1  Während die Option also überwiegend für junge Menschen in Frage zu kommen scheint, fallen die Zahlen bei den Erwachsenen wesentlich geringer aus. Warum ein Auslandsjahr mit dem Ende der Zwanziger aber erst so richtig  Spaß macht, erklärt unser Vertriebsmitarbeiter Tobias im Interview. 

Im Interview mit Tobias Sandek

Die 10 wichtigsten Fragen zum Auslandsjahr als Endzwanziger

 

  1. Hallo Tobias. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast, uns von deiner Reise zu erzählen. Erstmal sollten wir mit den Basics anfangen: Wo warst du? Wie lang warst du dort und mit wem? 

 Ich freue mich auch über die Ehre, einen ganzen Beitrag gewidmet zu bekommen (lacht). Primär war ich in Ozeanien unterwegs. Davon habe ich zehn Monate in Australien, einen Monat auf Hawaii und zwei Monate in Indonesien – in Bali & Lombok verbracht. Anschließend war ich noch eine Woche in Vietnam und eine Woche in Kambodscha. Auf der Reise hat mich ein alter Freund begleitet, der mittlerweile mein bester Kumpel ist.

  1. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, ein Jahr wegzugehen? Und wie alt warst du zu dem Zeitpunkt deiner Entscheidung?

Eigentlich war ich in meinem Leben vor der Reise sehr zufrieden. Ich hatte einen guten Job,  mein Privatleben machte mir außer ein paar alltäglichen Kleinigkeiten keine Sorgen und ich hatte genug Zeit meinem Hobby, der Musik, nachzugehen. Trotzdem fing ich mit meinen damals 29 Jahren langsam an, mich zu fragen, ob das nun schon alles gewesen ist. Ob es bis zur Rente nun einfach so weitergehen würde. Dazu kam, dass ich meiner zweiten Leidenschaft, dem Surfen, immer schon mehr Raum geben wollte – am liebsten auf dem roten Kontinent. Da das “Work & Travel” Visum in Australien aber nur bis zum vollendeten 30. Lebensjahr beantragt werden kann, musste ich mir so langsam klar darüber werden, was ich wirklich will. Und wie sagt man so schön…Der Mensch bereut am Ende nur die DInge, die er nicht getan hat.

 

  1. Und wie hat dein Umfeld auf die doch eher ungewöhnliche Entscheidung reagiert?

Ich hatte schon etwas Angst davor, meiner Familie und meinen Freunden mitzuteilen, dass ich nun – metaphorisch gesprochen – den sicheren Hafen verlassen möchte und mich auf eine raue und unvorhersehbare See begeben möchte. Mein Umfeld reagierte überraschenderweise aber absolut positiv auf meine Entscheidung. Selbst meine Mutter, der es immer schon sehr wichtig war, dass ich den „roten Karrierefaden“ konsequent verfolge, hat mich voll und ganz unterstützt. Die Unterstützung meines engsten Kreises machte es nun auch für mich unendlich einfacher, die Reise zu planen und am Ende auch wirklich durchzuziehen.

  1. Wie dürfen wir uns die Vorbereitungen vorstellen? Wie lang hat der Planungsprozess gedauert? Was musstest du beachten?

Insgesamt haben wir die Reise fast sechs Monate geplant, allerdings lagen immer mal wieder einige Pause dazwischen. Genaugenommen sind es nur ein paar wenige wirklich wichtige Dinge, die im Vorfeld beachtet werden müssen. Eine Auslandskrankenversicherung, die üblichen Impfungen (zumindest für Asien), ein Flugticket und einen kleinen finanziellen Puffer. In Australien müssen zum Beispiel 5.000 australische Dollar bei der Einreise nachgewiesen werden können – nicht in Bar, nur auf dem Bankkonto. (lacht) In Deutschland kommt allerdings noch ein wenig bürokratischer Aufwand auf einen zu. Man sollte beispielsweise der Agentur für Arbeit von seinen Plänen erzählen, andererseits könnte es richtigen Ärger mit dem Staat geben, sobald man wieder in Deutschland angekommen ist. Außerdem sollte man sich um eine Pausierung seines Handyvertrags sowie die Kündigung der Wohnung kümmern. Das sind Themen, die viele gern auf die lange Bank schieben.

 

  1. Ist es dir kurz davor schwer gefallen, alles hinter dir zu lassen? Was ist dir beim Abflug durch den Kopf gegangen?

Spätestens als ich das Flugticket gebucht und meine Wohnung in Dresden gekündigt hatte, ist mir klar geworden, dass es nun ernst wird. Im Nachhinein war es definitiv einer der schwierigsten Schritte in meinem Leben. Das Gewohnte, das wir Menschen generell so lieben, einfach hinter mir zu lassen, war eine viel größere Herausforderung, als ich anfangs dachte. Heute kann ich aber sagen, dass es sich hundertprozentig gelohnt hat. Als das Flugzeug gestartet ist, ging mir übrigens nur das Wohlergehen meines Kumpels durch den Kopf. Der hatte nämlich eine ziemlich starke Flugangst. Generell also nicht die beste Idee mit Flugangst einen 25-Stunden-Flug ans andere Ende der Welt anzutreten. Aber auch das hat sich im Nachhinein gelohnt – und er kann mittlerweile ohne Angst in einen Flieger steigen.

Ab der Landung in Sydney fühlte sich das gesamte Jahr wie ein schräger aber unvergesslich toller Traum an.

  1. Wie waren die ersten Wochen und Monate? Hattest du Schwierigkeiten, dich einzuleben?

Ab der Landung in Sydney fühlte sich das gesamte Jahr wie ein schräger aber unvergesslich toller Traum an. Wir wurden sehr herzlich von den Australiern aufgenommen und konnten uns so zum Glück sehr schnell einleben. Lediglich die Suche nach einem Job sorgte am am Anfang für Frust. Aber wer in Australien wirklich einen Job möchte und dazu noch flexibel ist, der bekommt mit Sicherheit irgendwann eine Stelle. Man sollte eben nur am Ball bleiben und sich nicht gleich unterkriegen lassen.

 

  1. Sicher gab es Momente, die dir am meisten in Erinnerung geblieben sind. Kannst du uns von einem erzählen?

Da gibt es so unfassbar viele Momente, von denen ich berichten könnte. Wie vorhin schon erwähnt, hat sich die gesamte Reise wie ein Traum angefühlt. Wenn ich mich aber für etwas entscheiden müsste, dann ist es wahrscheinlich das generelle Gefühl, in dem einen Jahr mehr zu mir gefunden zu haben als mein gesamtes Leben davor. Ich bin heute noch sehr stolz darauf, meine inneren Ängste überwunden zu haben und nichts davon bereuen zu müssen.

 

  1. Also würdest du rückwirkend alles genauso machen?

Definitiv würde ich alles genauso wieder machen. Klar haben wir auch Entscheidungen getroffen, die uns im Nachgang Zeit und Geld gekostet haben. Zum Beispiel beim Autokauf auf die Roadworthy (das australische Pendant zum TÜV) verzichtet. Oder Falschparken. Das hat uns auch die ein oder anderen Zusatzkosten beschwert (lacht).  Aber am Ende des Tages lernt man ja aus solchen Fehler – und versucht sie künftig zu vermeiden. 

  1. Was kannst du Menschen mit auf den Weg geben, die ein solche Reise schon lange im Kopf haben, sich aber nicht trauen?

Es wird viele Steine geben, die Sie sich selbst in den Weg legen werden. Wie schon gesagt, wir Menschen lieben Routinen und Gewohnheiten. Es wird also immer eine Weile dauern, bis Sie an den Punkt kommen, sich wirklich zu trauen. Aber egal wie chaotisch eine auch Reise verlaufen mag, sie werden Ihren Horizont damit trotzdem erweitern. Denn jede Erfahrung, die sie machen und jede Entscheidung, die sie treffen, macht sie ein Stück mehr zu der Person, die sie vielleicht sein wollen.

 

  1. Warum lohnt sich so eine Reise im Erwachsenenalter mehr als kurz nach dem Abitur?

Ich finde, jeder sollte sich früher oder später darüber Gedanken machen, ob er nicht hin und wieder einen Tapetenwechsel braucht. Ob Teenager oder Endzwanziger – Meiner Ansicht nach sind Herausforderungen und Reisen an fremde Orte der wichtigste Schritt, um irgendwann eine grundlegende Zufriedenheit im Leben zu erreichen. Sicher hätte ich auch am Anfang meiner Zwanziger viel für mein späteres Leben mitnehmen können. Trotzdem glaube ich, dass ich eine solche Erfahrung mit dem Alter besser erfassen und für mich einordnen konnte. Da ich eben nicht frisch von der Schulbank kam, wusste ich wenigstens ein Stück weit, was ich vom Leben zu erwarten habe – und was eben nicht. Das hat mir auch geholfen, viele Dinge, die mich vor zehn Jahren noch zur Verzweiflung getrieben hätten, entspannter zu sehen. Das ist ein Lernprozess, der eben erst mit den Jahren kommt. Nach oben hin gibt es übrigens keine Altersgrenze: Meine Mutter hat den Schritt zum Beispiel erst mit 50 Jahren gewagt und lebt nun seit über zehn Jahren glücklich in Südafrika. Auch ihr ist es am Anfang nicht leicht gefallen, alle Zelte abzubrechen, aber bereuen würde sie ihre Entscheidung trotzdem niemals.

 

Vielen Dank, dass du uns Rede und Antwort gestanden hast, Tobias!

Quellen

1 https://www.nach-dem-abitur.de/umfragen-nach-dem-abitur-ergebnisse

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