Wer hätte gedacht, dass der Garten Eden nur ein paar wenige Augenblicke entfernt liegt: Im britischen Cornwall steht das weltweit größte Gewächshaus – das Eden Project.

 

Das größte Gewächshaus der Welt

Von einer klassischen Gartenanlage ist das grüne Kleinod jedoch weit entfernt. Die gigantischen Kunststoffkuppeln, die sich über dem früheren Steinbruch zu verneigen scheinen, erinnern vielmehr an einen Gruß aus der Zukunft. Die Idee, eine stillgelegte Kaolingrube in eine ökologische Parkanlage zu verwandeln, stammt von dem britischen Archäologen und Gartenliebhaber Tim Smit. Den zentralen Punkt der Anlage bilden zwei Gewächshäuser, die jeweils aus vier ineinander übergehenden geodätischen Kuppeln – oder eher Biomen – bestehen und einen Teil des 50 Hektar großen Geländes umschließen.

Grimshaw’s gigantische Biome 

 

Das Eden Project ist vielleicht das bekannteste Projekt des Architekten und High-Tech-Poiniers Nicholas Grimshaw, der Smit’s Pläne mit seinem Architekturstudio Grimshaw Architects in die Tat umsetzte. Die ersten Design- und Planungskonzepte entstanden schon 1995, die feierliche Eröffnung der Anlage fand sechs Jahre später – im März 2001 – statt. Grimshaws ursprünglicher Plan sah vor, das Gebäude mit einer gewölbten Struktur zu versehen – angelehnt an das frühere Eurostar-Terminal Waterloo International. Die blasenartige Form des Gebäudes entstand daher eher aus der Not heraus – um die Ausgrabung des Steinbruchs nicht zu blockieren. Grimshaw entwarf u.a. die Frankfurter Messehalle oder das igus Headquarter in Köln. Mittlerweile ist er als Vorsitzender seines Architekturstudios zurückgetreten und hat sich zur Ruhe gesetzt.

Ich denke, eine der großen architektonischen Herausforderungen der Zukunft ist es, die wahre Bedeutung von Pflanzen für das menschliche Leben zu erkennen; […] die Verbindung zwischen Pflanzen und Gebäuden kann meiner Meinung nach nur enger werden. ❝

— Architekt Nicholas Grimshaw über das Eden Project 1

Im Inneren des Eden Project: Eine tropische Reise 

 

Im Inneren werden verschiedene Vegetationszonen simuliert, in denen über 100.000 Pflanzen aus mehr als 5.000 Arten zu finden sind. Das tropische Klima in der ersten Kuppelkonstruktion führt die Besucher auf eine Reise durch den Regenwald – vorbei an Käfern und Insekten, einem Teich und einem Wasserfall. Für Abkühlung sorgt ein kleines Kühlhaus nach der Hälfte des Rundgangs, in dem für uns Europäer deutlich vertretbarere Temperaturen herrschen. Das zweite Gewächshaus beherbergt Pflanzen, die in subtropisch-trockenen und mediterranen Klimabedingungen vorkommen. Hier wird schnell klar, warum der Mittelmeerraum auch gemäßigte Klimazone heißt: Es duftet nach Zitronen und Oliven, Steine und Kakteen wechseln sich entlang des Weges ab. Von den deutlich angenehmeren Temperaturen ganz zu Schweigen. 

Das Eden Project zwischen James Bond und Jamie Oliver

 

Spätestens seit Pierce Brosnan sich als James Bond in „Stirb an einem anderen Tag“ von einer der Kuppeln hinab schwang, gehört das Eden Project zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in der Region. Inzwischen kommen über eine Million Besucher jährlich, die sich von der mediterranen, kalifornischen und aus­tralischen Pflanzenwelt begeistern lassen. Zahlreiche Bars und Cafes sorgen im Stil von Jamie Oliver für das leibliche Wohl der Besucher, ja sogar ein Hotel 2 soll 2021 auf dem Gelände eröffnen. Keine Frage, das Eden Project ist nicht nur schön anzusehen, sondern im wahrsten Sinne ein ökologischer Touristenmagnet. Doch anders als in den meisten Schaugärten legt das Eden Project großen Wert auf die Aufklärung und Nachzucht von vom Aussterben bedrohten und alten Sorten. Neben den Pflanzennamen finden die Besucher genaue Informationen über die Verwendung und die ökologische Bedeutung der einzelnen Gewächse; lernen, wo all die Gewürze, Autoreifen und Radiergummis eigentlich herkommen oder wie Mangos, Bananen, Cashews und Kakao zu einem köstlichen Smoothie vereint werden können. Die Mission des Eden Projects liegt also nicht nur darin, die Besucher für die bunte Pflanzenwelt oder die eindrucksvolle Architektur der Anlage zu begeistern, sondern sie auch für die Umwelt und deren Schutz zu sensibilisieren.

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