Jedes Jahr, wenn Weihnachten vorbei ist und die letzten Dezembertage vor uns liegen, schreiben wir sie auf, verkünden sie unseren Bekannten und uns selbst. Unsere Neujahrsvorsätze für das kommende Jahr. Viele Neujahrsvorsätze. Meist sogar eine lange Liste mit Dingen, die wir im neuen Jahr endlich besser machen wollen. Aber was bewegt uns überhaupt dazu, jedes Jahr auf ein Neues nach Vorsätzen zu grübeln, die wir am Ende doch nicht einhalten? Liegt es am Zauber des Jahreswechsels, der mit Übereifer versucht, einen Schlussstrich hinter das fast vergangene Jahr zu ziehen? Oder ist es viel mehr die Gesellschaft, die uns regelmäßig daran erinnert, dass wir vielleicht nur einen guten Grund, eine Art bildlichen Antrieb brauchen, um unsere Pläne endlich in die Tat umzusetzen?

Wofür stehen Neujahrsvorsätze?

 

Fest steht, dass wir es über Jahre hinweg perfektioniert haben, den Jahreswechsel mit allerlei metaphorischen Ansätzen zu versehen. Die Chance, alles besser zu machen. Die Chance, sich selbst und alles um sich herum aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Schlechte Angewohnheiten zu verändern. Traditionen beizubehalten. Beziehungen zu pflegen. Oder einfach sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Mit dem Ende eines Jahres kommt für uns auch der Abschluss des Kapitels, an dem wir das Jahr über fleißig geschrieben haben. Zeit für etwas Neues, Zeit für ein neues Kapitel, denken wir spätestens dann, wenn am Silvesterabend der erste Sektkorken in Richtung Decke schellt. Zeit für Veränderung.

Und trotz all der Entschlossenheit, mit der wir dem neuen Jahr entgegensehen, spüren wir immer auch ein wenig Unbehagen, vielleicht sogar Angst, wenn wir an die leeren Seiten unseres neuen Kapitels denken. Angst, wir könnten das Kapitel nicht füllen. Angst, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Angst, wir könnten uns vielleicht sogar zum Negativen verändern. Dabei ist Veränderung doch genau das, was wir in unseren Vorsätzen anstreben. Ob nun positiv oder negativ, ohne Veränderung können wir nicht wachsen, uns nicht entwickeln, unseren Horizont nicht erweitern. Ohne Veränderung gibt es keinen Fortschritt, den wir uns doch eigentlich so herbeisehnen. Wir wollen weitergehen. Wir wollen alte Gewohnheiten hinter uns lassen und neue entwickeln. 

❞ Was bewegt uns dazu, jedes Jahr auf ein Neues nach Vorsätzen zu grübeln, die wir am Ende doch nicht einhalten?

Also stoßen wir an. Jedes Jahr, wenn Weihnachten vorbei ist und die letzten Dezembertage vor uns liegen. Wir stoßen an, während im Hintergrund, leicht verschwommen, das neue Jahr begrüßt wird. Wir stoßen an auf alte Freunde und vergangene Erlebnisse, auf neue Erfahrungen und falsche Entscheidungen, auf den richtigen Weg. Wir stoßen an und versprechen uns, ab heute alles besser zu machen.

Warum wir Neujahrsvorsätze trotzdem brauchen?

 

Dieses Mal wirklich, schwören wir uns. Aber glauben wir uns das wirklich selbst? Glauben wir uns, dass wir ab heute bewusster leben? Mehr genießen? Öfter zum Sport gehen oder mehr auf die Ernährung zu achten? Wir wissen es nicht. Vielleicht ist es am Ende aber auch völlig egal, ob wir unsere Neujahrsvorsätze selbst glauben. Vielleicht brauchen wir die lange Liste mit all den Vorhaben, Wünschen und Zielen eigentlich nur, um unseren Antrieb zu finden. Um weiterzumachen und nicht aufzugeben, wenn es ein Jahr lang schwierig war.

 

Vielleicht brauchen wir also nur die Möglichkeit, dass wir am Ende des Jahres einen Schlussstrich ziehen und mit negativen Erfahrungen abschließen können. Vielleicht brauchen wir nur die Möglichkeit, am Ende des Jahres ein neues Kapitel füllen zu können. Vielleicht müssen wir ab und an einen Neuanfang wagen, um unseren ewigen Kreis zu durchbrechen, um weiterzudenken und um zu wachsen. Vielleicht sollten wir Neujahrsvorsätze also nicht per se verurteilen. Denn vielleicht geht es gar nicht darum, Vorsätze einzuhalten. Vielleicht geht es vielmehr darum, dass wir überhaupt Vorsätze haben. Dass wir uns nicht aufgeben, sondern nach vorn sehen. In ein neues Jahr. Ein weiteres Jahr, in dem wir zu wenig Sport machen. Zu ungesund essen. Zu wenig innehalten und zu viel von uns erwarten. Aber ein weiteres Jahr, in dem wir existieren, atmen, leben. Ein weiteres Jahr, in dem wir hier sind.

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