Wie Banksy die Straße zur Leinwand macht

 

Banksy ist der prominenteste Street-Art-Künstler unserer Zeit, seine Werke zieren Wände und Mauern auf der ganzen Welt. Die hauptsächlich in schwarz-weiß gehaltenen Schablonenbilder sind kontrovers und subversiv, begleitet von einer gewissen Absurdität: Sie zeigen Polizisten mit abstrakten Gesichtern, Tiere mit Massenvernichtungswaffen, kleine Mädchen, die sich an Raketen kuscheln oder Samuel Jackson und John Travolta, die mit Bananen schießen. Nicht zuletzt durch ironische Wortspiele und Aufrufe werden die Botschaften zu gesellschaftskritischen Statements. Aber wer oder was steckt eigentlich hinter dem Pseudonym?

Zwischen moderner Kunst und Gesellschaftskritik

Nachdem Banksy 1997 in Bristol erstmal mit dem Wandbild The Mild Mild West von sich reden machte, entwickelte er sich in den vergangenen 20 Jahren zum wohl bekanntesten und einflussreichsten Künstler der Street-Art-Szene. Seine Botschaften richten sich in erster Linie gegen den Kapitalismus und das britische Establishment. Damit instrumentalisiert Banksy seine Kunst als öffentliche Gesellschaftskritik, die er für alle sichtbar und damit frei von den Zwängen des Marktes an Hauswände, Türen oder Garagentore sprüht. Mittlerweile werden seine Werke zu astronomischen Preisen gehandelt, in Galerien und Museen präsentiert oder von Hollywood-Größen wie Brad Pitt oder Christina Aguilera als Wanddekoration adaptiert. Ein Widerspruch?

The Mild Mild West (1997) / © Banksy

Immer wieder versucht Banksy seine Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen und sich so von den kapitalistischen Strukturen unserer Zeit loszusagen. Schon 2004 verteilte Banksy beim Notting Hill Carnival 10-Pfund-Blüten mit dem Aufdruck ‘Banksy of England’, die an Stelle der Queen das Konterfei der verstorbenen Lady Diana zeigten. 2018 sorgte Banksy erneut für Schlagzeilen, indem er eines seiner bekanntesten Bilder mit dem Titel Girl with Balloon just in dem Moment, als der Hammer des Auktionators fiel, durch einen im Rahmen verborgenen Reißwolf teilweise zerstörte. Im Internet verkündete er anschließend den neuen Namen des Gemäldes Love is the Bin. Frei übersetzt: alles nur noch Schrott. Trotz seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Verkauf von Kunst musste sich Banksy den irrsinnigen Ausmaßen des Kunstmarktes immer wieder geschlagen geben. Sein Gemälde Devolved Parliament, das die Abgeordneten des britischen Parlaments als Schimpansen darstellt, wurde Ende des vergangenen Jahres – kurz vor dem Brexit – für mehr als 11 Millionen Euro an einen unbekannten Bieter versteigert.1 Und auch das Werk, das sich selbst zerstören sollte, ist nach der Aktion im Wert gestiegen. Damit gehört Banksy, ohne es zu wollen, zu den teuersten Künstlern der Welt.

Aus Girl with Ballon wurde Love is the Bin / © Banksy

Trotz seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Verkauf von Kunst muss sich Banksy den irrsinnigen Ausmaßen des Kunstmarktes immer wieder geschlagen geben. ❝

Trotz seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Verkauf von Kunst muss sich Banksy den irrsinnigen Ausmaßen des Kunstmarktes immer wieder geschlagen geben. ❝

Aus Girl with Ballon wurde Love is the Bin / © Banksy

Die Anonymität als Selbstschutz

 

Banksy selbst versteckt sich bis heute hinter seinem Künstlernamen; es gibt weder Interviews noch Aufnahmen, die mehr über die Identität des britischen Street-Art-Künstlers und Gesellschaftskritikers verraten könnten. Den Analysen diverser Expert*innen und Geo-Profiler*innen zufolge könnte sich hinter dem Pseudonym der in Bristol lebende Robin Gunningham verbergen; ein Absolvent der renommierten Bristol Cathedral School, dessen Drucke ebenfalls zu mehreren Tausend Pfund verkauft werden – in der Hoffnung, einen originalen Banksy in die Finger zu bekommen. Ein recht riskantes Unterfangen, denn Gunningham ist längst nicht der einzige Name, der hinter Banksy vermutet wird. Ob die wahre Identität je offenbart wird, bleibt fraglich. Für Banksy selbst ist seine Anonymität die Grundlage seiner Botschaften, die er – wenn auch mit guten Absichten – auf einem noch immer illegalen Weg verbreitet. An dem Tag, an dem seine Identität bekannt würde, wäre Banksys Karriere aller Wahrscheinlichkeit nach zu Ende.

 

 © Banksy

Wir können nichts tun, um die Welt zu verändern, bis der Kapitalismus zusammenbricht. In der Zwischenzeit sollten wir alle einkaufen gehen, um uns damit zu trösten.

— Banksy

1 https://www.zeit.de/kultur/kunst/2019-10/devolved-parliament-banksy-gemaelde-versteigerung-rekordpreis

Weitere Impulse zu Art

Sebastião Salgado: Fotografie in Schwarz-Weiß

Sebastião Salgado: Fotografie in Schwarz-Weiß

Der brasilianische Ausnahmefotograf im Porträt Sebas­tião Salgado ist nicht nur einer der bekanntesten Fotografen der Welt, er ist zugleich Humanist, Naturschützer und seit Oktober 2019 Träger des Friedenspreises . Seine Werke zeigen die Schwarzweiß-Fotografie auf...

Fact Friday: Die Geschichte der Street Art

Fact Friday: Die Geschichte der Street Art

Straßenkunst zwischen Selbstverwirklichung und Kommerz   Street Art Phänomene wie Banksy haben die Straßenkunst alltagstauglich gemacht. Street Art kann heute vieles sein. Wand- oder Schablonenbilder, Poster oder Skulpturen. Die abstrakte Darstellung von Tieren oder...

Das neue MoMA

Das neue MoMA

Moderne Kunst in neuen Dimensionen   Seit Oktober 2019 erscheint das Museum of Modern Art (MoMA) in New York in neuer Form. In erweiterten Galerien und Räumen zeigt das wohl einflussreichste Kunstmuseum unserer Zeit eine neue Dimension des...

Newsletter registration

 

Pin It on Pinterest

Share This