Warum der Black Friday ein schwarzer Tag der Menschheit ist

Heute ist Black Friday. Nur zur Sicherheit. Für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass die Nachricht an Ihnen vorbeigegangen sein sollte. Warum höchst unwahrscheinlich? Selbst, wenn Sie sich in der vergangenen Woche nur begrenzt mit Print- oder Onlinemedien auseinandergesetzt haben, kaum Fernsehen schauen oder Radio hören und mit sozialen Netzwerken erst recht nichts anfangen können; mindestens eine Black-Friday-Super-Sonderrabatt-Schlagzeile ist Ihnen sicher trotzdem über den Weg gelaufen – wenn auch nur beiläufig über eine Schaufenster- oder Plakatwerbung. Schließlich scheinen Unternehmen und kauflustige Verbraucher in den vergangenen Wochen kaum ein anderes Thema zu kennen. Und das vermitteln sie mit solch einer auffälligen, nahezu beeindruckenden Penetranz, die alle anderen Schlagzeilen der vergangenen Tage in den Schatten stellt.

Spektakulärer Einbruch in eine Dresdner Kunstsammlung, weitere Unruhen im Irak oder die Wahl der EU-Kommission: Wen interessiert’s? 

Was ist der Black Friday?

Auch wenn das ein wenig überspitzt formuliert ist, spiegelt die Medienlandschaft momentan eben jenes Bild einer konsumorientierten Gesellschaft wieder: Die Rabattschlachten der digitalen wie analogen Welt haben erneut begonnen. Jahr für Jahr kämpfen Anbieter um die besten Deals. Jahr für Jahr versuchen Verbraucher der oder die Erste am Wühltisch zu sein. Und Jahr für Jahr erscheint uns der Tag noch ein wenig sinnloser. Aber von vorn. Der Freitag nach Thanksgiving gilt in den USA als traditioneller Start in die Weihnachtszeit. In Zeiten des Kapitalismus meint das in erster Linie: Es bleiben weniger als vier Wochen Zeit, um alle Weihnachtseinkäufe in Windeseile zu erledigen.

Vermutungen zufolge könnte der Name eine Anspielung auf den Börsencrash von 1929 sein. Genauer gesagt, auf das Chaos und die Menschenmassen auf der Straße, die in letzter Minute ihre Ersparnisse retten wollten. Aus der Ferne betrachtet, wirkte das Szenario wohl wie ein einzige schwarze Masse – ähnlich wie die von der Angst vor ausverkauften Weihnachtsgeschenken getriebenen Menschenströme heute. 

Black Friday und Cyber Monday: Konsum in Milliardenhöhe

Als der umsatzstärkste Tag des Jahres wird der Black Friday oft auch als Indikator für den Erfolg des Weihnachtsgeschäftes herangezogen. Und seit der Onlinehandel boomt, verlagert sich auch der Black Friday Hype immer mehr in die digitale Sphäre. Dank Rabattcodes und Gutscheinaktionen gaben die US-Bürger im vergangenen Jahr rund 4,8 Milliarden US-Dollar in Onlineshops aus. Da das scheinbar noch nicht genug Umsatz ist, gibt es seit einigen Jahren den Cyber Monday – ein zusätzlicher Aktionstag, der auf das Black Friday Wochenende folgt und auch die letzten Verweigerer mit Extra-Rabatten zum Kauf verlockt. 2018 wurden hier sogar rund 6 Milliarden Dollar ausgegeben. 1 

Auch in Deutschland wird in diesem Jahr ein Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro für das Black Friday-Wochenende erwartet. Obwohl sich das Phänomen hierzulande erst seit 2013 Bekanntheit schaffen konnte, stieg der Konsum am schwarzen Freitag im Vergleich zu einem regulären Handelstag in den vergangenen Jahren um rund 2400 Prozent. Das bedeutet, im Schnitt erwirbt jeder Deutsche am Black Friday vier Produkte zu einem Gesamtpreis von 211 Euro. 3

Das rabenschwarze Modegeschäft am Black Friday

Neben Elektrogeräten gehen am Black Friday am häufigsten Kleidungsstücke über den (virtuellen) Ladentisch. Das überrascht uns kaum: Die Werbeindustrie versucht uns schließlich schon seit Jahren weiszumachen, dass wir mehr kaufen müssen. Mehr Hosen, mehr Blusen, mehr Jacken. Mehr als wir am Ende wirklich brauchen. Denn, und das ist mittlerweile der ausschlaggebende Punkt für den zunehmenden Massenkonsum unserer Gesellschaft, das bloße Kaufen von eigentlich unnützen Dingen soll uns glücklich machen. Einer Umfrage von Greenpeace aus dem Jahr 2017 zufolge gehören soziale und emotionale Gründe damit zu den häufigsten Anreizen für übereifrigen Konsum. Der Glücksmoment hält jedoch meist nur kurz an. Was übrig bleibt, sind überfüllte Kleiderschränke.

Der Massenkonsum in Zahlen

 

  • Mit dem Aufstieg von „Fast Fashion“ um die Jahrtausendwende stieg auch der Modekonsum: Die Menschen kaufen seitdem doppelt so viele Kleidung, tragen sie aber meist nur die Hälfte der Zeit.

     

  • Jährlich werden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert – aber nur weniger als ein Prozent kann zu neuen Textilien recycelt werden.

     

  • 40 Prozent der 5,2 Milliarden (!) Kleidungsstücke in den Kleiderschränken der Deutschen werden selten bis nie getragen.

     

  • Ungetragene oder nicht mehr erwünschte Kleidungsstücke landen am häufigsten im Müll. In den USA werden laut Greenpeace jedes Jahr 10,5 Millionen Tonnen Kleidung entsorgt – das entspricht dem 30-fachen Gewicht des Empire State Building.

     

  • Die Waschmaschinen spülen in Europa jährlich 30.000 Tonnen an Kunststofffasern ins Abwasser, die letztlich im Meer, in Tiermägen und im Trinkwasser landen. 4

Das Traurige daran: Fast Fashion beutet Mensch und Umwelt aus, um dem Konsumenten mit einer Rabatt- und Sale-Aktion nach der anderen für sein Vertrauen und seine Loyalität zu danken. Dabei sind die Preise für Fast Fashion über die Jahre auf ein Level gesunken, das aus ethischer wie ökonomischer Sicht längst nicht mehr tragbar ist. Die Folge für den Endverbraucher: Wir gewöhnen uns daran, dass Schnäppchen auf Schnäppchen folgt. Während also ohnehin mindestens zwei Mal im Jahr ein radikaler Abverkauf der Ware erfolgt, wirft der Einzelhandel am Black Friday noch einmal vollends mit Rabatten um sich und schlägt raus, was es am Weihnachtsgeschäft nur rauszuschlagen gibt.

Black Friday: Ja oder nein?

Mit all den Informationen, die wir aus dem obenstehenden Text mitnehmen können, gibt es eigentlich nur eine wirklich logische Antwort: Nichts kaufen. Generell weniger konsumieren und den Black Friday aus Prinzip boykottieren. Wer am Black Friday bewusst auf Konsum verzichtet, schiebt nicht nur dem Konsumwunsch des eigenen Gehirns einen Riegel vor, sondern setzt auch auf gesellschaftlicher Ebene ein Zeichen. Auch viele Unternehmen entscheiden sich mittlerweile dagegen, den Black Friday als Umsatzwunder zu nutzen. Auch wir von HOLY TRINITY entziehen uns bewusst den konsumorientierten Werten der Massenindustrie. Stattdessen möchten wir mit unserem Beitrag darauf aufmerksam machen, dass der bloße Konsum von materiellen Dingen nicht dauerhaft glücklich machen kann. Ganz nach dem Motto “Klasse statt Masse” kommt es nämlich auch auf die Wertentwicklung eines Produktes an.

Und wer sich dem Black Friday nicht vollends entziehen will oder kann, sollte sein Geld wenigstens in Unternehmen investieren, die es besser machen. Das Hamburger Fair Fashion Label recolution hat für den Black Friday zum Beispiel ein eigenes Shirt aus Lagerbeständen designed, das sich kritisch mit dem Massenkonsum auseinandersetzt. No more bad buys steht darauf – also keine sinnlosen Käufe mehr, die auf Kosten anderer gehen. Pro T-Shirt gehen außerdem zehn Euro des Verkaufspreises an Fridays For Future 5  – Mensch und Umwelt zuliebe.

Quellen

1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1021687/umfrage/online-umsaetze-am-cyber-monday-black-friday-und-thanksgiving-day/

2 https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/12444-prognose-handel-setzt-an-black-friday-und-cyber-monday-3-1-miliarden-euro-um

3 https://black-friday.global/de-de/

4 https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20181030-greenpeace-factsheet-makesmthng-konsum.pdf

5 https://www.recolution.de/frauen/tops-t-shirts/unisex-t-shirt-nobadbuys-white-l

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