Ein Stück Kunstgeschichte im Herzen Dresdens

„Ich trat in dieses Heiligtum und meine Verwunderung überstieg jeden Begriff, den ich mir gemacht hatte”, schrieb Johann Wolfgang von Goethe 1768 über seinen Besuch der Gemäldegalerie Alte Meister. Damit versuchte Goethe die Anmut des historischen Galeriegebäudes und die Bedeutung der Sammlung für das Kunstverständnis seiner Zeit in Worte zu fassen. Daran hat sich auch nach Goethe wenig geändert: Die Werke der Alten Meister prägen bis heute den Kunst- und Kulturbegriff. Jahr für Jahr zählt die Dresdner Gemäldegalerie hunderttausende Besucher aus aller Welt, die auf den Spuren Goethes ein Stück Kunstgeschichte nachempfinden. 

Die Geschichte der Gemäldegalerie Alte Meister

 

Die weltweit bekannte Sammlung beherbergt die Schätze aus sechs Jahrhunderten der europäischen Malerei, die in nur knapp einem halben Jahrhundert in der Dresdner Kunstkammer zusammengetragen wurden. August der Starke, sächsischer Kurfürst und späterer König von Polen, und sein Sohn August III. erweiterten die Sammlung deutscher und niederländischer Meister um bedeutende Werke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts aus ganz Europa. Ab Mitte des 18. Jahrhundert sollte auch die Öffentlichkeit die Kunstwerke der Alten Meister zu Gesicht bekommen. Das sogenannte Johanneum, das die Ausstellung zunächst beherbergte, wurde dem stetig wachsenden Bestand jedoch schon bald nicht mehr gerecht. Knapp 100 Jahre später errichtete der Architekt Gottfried Semper, der bereits die heute als „Semperoper“ bekannte Hofoper entworfen hatte, das imposante Galeriegebäude am Zwinger.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

❞ Die Entwicklung der Moderne ist ohne Bezug auf die Alten Meister undenkbar. ❝

— Dr. Stephan Koja, Direktor Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800

Die Werke der Alten Meister


Das wohl berühmteste Werk der Sammlung ist die “Sixtinische Madonna” des italienischen Künstlers Raffael. Neben Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ in Paris oder Sandro Botticellis „Geburt der Venus“ in Florenz zählt das Gemälde von 1512/13 zu einem der einflussreichsten Werke der Kunstgeschichte. Im Fokus des Altarbildes steht die heilige Mutter Maria mit dem Jesuskind im Arm, während im unteren Teil zwei Engel abgebildet sind. Die kindliche Darstellung des Engelpaars symbolisiert die Schwelle zur irdischen Welt und hat dafür gesorgt, dass die Engel losgelöst des eigentlichen Bildinhaltes weltweite Bekanntheit erlangten. Ebenfalls von enormer Bedeutung ist das Gemälde „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“, das der venezianische Maler Bernardo Bellotto um 1748 erschuf. Bellotto, der den Spitznamen “Canaletto” trug, war unter August III. als Hofmaler nach Dresden gekommen. Kein Gemälde prägte die Vorstellung des barocken Dresdens so stark wie die Darstellung des bis heute bekannten “Canaletto-Blicks”.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Kein Gemälde prägte die Vorstellung des barocken Dresdens so stark wie die Darstellung des Canaletto-Blicks. 

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Wiedereröffnung der Sempergalerie

Historische Gemäldegalerie trifft auf Skulpturen der Frühen Neuzeit

 

In den vergangenen sieben Jahre musste ein Teil der Sempergalerie aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen bleiben. Am 29. Februar 2020 wird die Sammlung nun in voller Pracht wiedereröffnet. Die Werke der Gemäldegalerie werden künftig gemeinsam mit der eindrucksvollen Dresdner Skulpturensammlung im Semperbau des Dresdner Zwingers präsentiert. Die Skulpturensammlung, die zehn Jahre lang im Schaudepot untergebracht war, beinhaltet antike Bildwerke, Plastiken und Skulpturen der Frühen Neuzeit, die nun im direkten Dialog mit ausgewählten Gemälden aus Renaissance und Barock gezeigt werden. Neben der Modernisierung des Gebäudes wurden für die Wiedereröffnung über 20 Meisterwerke sorgfältig restauriert. Neue farbige Wandbespannungen, eine umfangreiche Akzentbeleuchtung sowie multimediale Vermittlungsformate machen einen Besuch in der neuen Sempergalerie wahrlich zum Kunstgenuss.

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