Straßenkunst zwischen Selbstverwirklichung und Kommerz

 

Street Art Phänomene wie Banksy haben die Straßenkunst alltagstauglich gemacht. Street Art kann heute vieles sein. Wand- oder Schablonenbilder, Poster oder Skulpturen. Die abstrakte Darstellung von Tieren oder Fantasiewesen; von surrealen Räumen, die mit Perspektiven und gesellschaftlichen Entwicklungen spielen. Poppig und bunt. Ästhetisch und stilvoll. Oder auch schmutzig und rau. Die urbane Interpretation der Malerei, die uns an Gebäudefassaden, öffentlichen Plätzen oder Straßenzügen begegnet, ist ebenso polarisierend wie faszinierend.

Die Grafittibewegung der 1960/70er-Jahre

 

Die Geschichte der heutigen Straßenkunst reicht zurück in die Sechziger- und Siebzigerjahre in New York City – den Anfängen der Graffitibewegung. Graffitisprayer – auch Writer genannt – sprühten illegale Bilder auf Hauswände, verzierten Züge und Autobahnbrücken mit ihrer Handschrift (Tags). Die Botschaft dahinter: Der eigene Name. Das Streben nach Bekanntheit und Anerkennung – ohne die wahre Identität zu offenbaren. Das Markieren von Orten mit dem eigenen Namen oder Botschaften scheint dabei ein ur-menschliches Bedürfnis zu sein. Beispiele dafür finden wir in fast allen Epochen der Menschheit. Die moderne Form des tagging manifestierte sich in den Dreißigerjahren in den USA, als aufstrebende Straßenbanden damit ihre Reviere markierten. Ab den Sechzigerjahren entwickelte sich aus der ursprünglich Grenzziehung eine Vorstufe des urbanen Guerillamarketing – in eigener Sache. Die Writer der New Yorker Szene – und später aus aller Welt – setzten Risiko mit Ruhm gleich: Je verrückter der Ort, desto größer die potenzielle Anerkennung. Tags bilden damit die eigentliche Essenz der Bewegung, die kleinste und einfachste Form der illegalen Selbstdarstellung. Denn anders als das Sprühen kunstvoller Schriftzüge (pieces) oder szenischer Bilder setzt das tagging keine ästhetische Schönheit voraus. 

New York als Epizentrum der Street Art Bewegung

 

Auch wenn einige Kunsthistoriker vermuten, dass die Ursprünge des Graffiti weit vor New York in Südamerika und Europa begründet liegen, bildete New York und die New Yorker Hip Hop Szene das Epizentrum der Graffitibewegung. New York gilt bis heute als der Ort, von dem aus die Graffitikunst weltweit populär wurde, der die Szene nachhaltig prägte. In den Tiefen der New Yorker U-Bahn-Stationen suchten Jugendliche aus gesellschaftlichen Randgruppen, die abseits der elitären Schulen, Tennis- und Golfclubs aufwuchsen, nach Unterhaltung, nach Selbstverwirklichung und Anerkennung. Die bunten Schriftzüge zierten in den Siebzigerjahren nicht nur U-Bahn-Waggons und Züge, sondern wurden zunehmend Teil des berühmten New Yorker Stadtbilds. Schnell wurde auch die Kunstszene auf die neue Form urbaner Kunst aufmerksam, renommierte Künstler ließen sich von der Technik der Sprayer inspirieren. Mit Keith Haring und Jean-Michel Basquiat eroberten in den Achtzigern zwei Vertreter die Wände der New Yorker Kunstgalerien, deren Werke stark an die farbenfrohen Malereien der Graffitikünstler erinnerten.

❞ New York gilt bis heute als der Ort, von dem aus die Graf­fi­tikunst welt­weit populär wurde, der die Szene nach­haltig prägte.  ❝

Der Weg zur globalen Kunstbewegung

In den Folgejahren verbreitete sich die Graffitibewegung in ihrer New Yorker Ausprägung – als sogenanntes stylewriting – weit über den Kontinent hinaus. Ob die politische Protestkultur in Großbritannien, die farbenfrohe Schablonenkunst in Argentinien oder die kunstvollen Zeichnungen an den Überresten der Berliner Mauer – Die bislang als Untergrundbewegung belächelte Kunstform wurde mehr und mehr gesellschaftstauglich. Mit Künstlern wie Banksy entwickelte sich Street Art zu einem festen Bestandteil in Museen und Galerien, wurde in Auktionshäusern zu Preisen in Millionenhöhe versteigert oder diente zunehmend als Touristenmagnet. Der Hype ist bis heute geblieben, wird jedoch längst nicht mehr nur zu kommerziellen Zwecken genutzt. Die Hamburger Organisation Viva con Agua nutzt Street Art, um Spenden für ihre weltweiten Trinkwasserprojekte zu generieren. Seit zehn Jahren versammeln sich Street Art Künstler aus aller Welt in St. Pauli, um im Rahmen der Millerntor Gallery einzigartige Kunstwerke zu erschaffen und anschließend für den guten Zweck zu versteigern.

Der Weg zur globalen Kunstbewegung

In den Folgejahren verbreitete sich die Graffitibewegung in ihrer New Yorker Ausprägung – als sogenanntes stylewriting – weit über den Kontinent hinaus. Ob die politische Protestkultur in Großbritannien, die farbenfrohe Schablonenkunst in Argentinien oder die kunstvollen Zeichnungen an den Überresten der Berliner Mauer – Die bislang als Untergrundbewegung belächelte Kunstform wurde mehr und mehr gesellschaftstauglich. Mit Künstlern wie Banksy entwickelte sich Street Art zu einem festen Bestandteil in Museen und Galerien, wurde in Auktionshäusern zu Preisen in Millionenhöhe versteigert oder diente zunehmend als Touristenmagnet. Der Hype ist bis heute geblieben, wird jedoch längst nicht mehr nur zu kommerziellen Zwecken genutzt. Die Hamburger Organisation Viva con Agua nutzt Street Art, um Spenden für ihre weltweiten Trinkwasserprojekte zu generieren. Seit zehn Jahren versammeln sich Street Art Künstler aus aller Welt in St. Pauli, um im Rahmen der Millerntor Gallery einzigartige Kunstwerke zu erschaffen und anschließend für den guten Zweck zu versteigern.

Street Art = Kunst für alle

 

Seit den frühen Anfängen in New York hat sich der Charakter der Straßenkunst gewandelt. Auch wenn Street Art eine Weiterentwicklung der Graffitibewegung ist, gibt es heute nur noch bedingte Gemeinsamkeiten. Anders als der oft raue und vandalische Charakter von Graffiti, das in erster Linie auf Buchstaben basiert, die sich malerisch in eine abstrakte Darstellung auflösen, passiert Street Art auf einer wesentlich sanfteren Ebene, gilt mittlerweile als eine anerkannte Form moderner Kunst. Geblieben ist jedoch der Versuch, Botschaften über individuelle Ausdrucksformen zu verbreiten. Mal mehr, mal weniger sinnstiftend, aber immer überraschend. Damit gelten beide Kunstformen als Statements im öffentlichen Raum. Beide Kunstformen zeigen sich losgelöst von Konsum und richten sich gegen die autoritäre Obrigkeit. Beide Kunstformen richten sich an die breite Öffentlichkeit – und werden auch von Menschen wahrgenommen, die in der Regel keinen oder nur bedingten Zugang zu Kunst haben. Damit sorgt Straßenkunst für eine Erweiterung des öffentlichen Diskurs und fordert alle Gesellschaftsgruppen dazu auf, sich daran zu beteiligen. 

Beide Kunstformen zeigen sich losgelöst von Konsum und richten sich gegen die autoritäre Obrigkeit. Beide Kunstformen richten sich an die breite Öffentlichkeit – und werden auch von Menschen wahrgenommen, die in der Regel keinen oder nur bedingten Zugang zu Kunst haben. 

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