#welltravelled, #travelgoals, #labellavita, #goodlife – Letzterer gehört mit fast 17 Millionen Treffern zu den wohl beliebtesten Hashtags, die Tag für Tag fleißig unter den Beiträgen von knapp einer Milliarde Instagrammern landen. Instagram ist aus dem Social Media Universum nicht mehr wegzudenken. Warum auch? Schaut man sich die Zahlen der Plattform an, hat sich Instagram zu Recht an die Spitze der sozialen Netzwerke manövriert. Und trotzdem ist das öffentliche Zurschaustellen des eigenen Lebens so eine Sache. Denn was ist wirklich dran, an all den vermeintlich perfekten Posts über das gute Leben? Und was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn die #instagramworthiness einer Sache plötzlich wichtiger ist als die Sache selbst?

Eine Gesellschaft der Selbstinszenierung

Eine Milliarde Nutzer. Etwa die Hälfte davon ist täglich aktiv – postet, liked und kommentiert. Eine halbe Milliarde an Menschen also, die sich Tag für Tag anschauen, was andere zu berichten haben. Anschaulich aufbereitet, zeigt der Feed dabei alles, was das Leben zu bieten hat: Traumurlaube, schöne Menschen, Blicke aufs Meer oder über europäische Großstädte, der Aperitif in der Abendsonne, kurz bevor der erste Gang serviert wird. Fast immer dabei: Das Smartphone, das alles sehr detailliert dokumentiert und anschließend, mit einem guten Filter und dem Hashtag #goodlife versehen, der Öffentlichkeit präsentiert. Das gute Leben, das wir doch eigentlich alle so gerne führen. Und so kommt es, dass stolze Mütter ihre krabbelnden Kinder mit #goodlife vertaggen, dass ein Kurzurlaub nach Italien mit einer guten Portion an Pizza, Pasta e Amore genauso #goodlife ist, wie ein spontaner Roadtrip zu zweit in das benachbarte Bundesland oder der Iced Matcha Latte in einem der abertausend hippen Cafés in Berlin-Kreuzberg. Der “Schnappschuss” einer strahlenden Mittzwanzigerin mit zarter Figur und geübter Pose an irgendeinem verlassenen Strand mitten im Nirgendwo: #goodlife.

Instagram als Ort für große Kulissen

Was wir da erleben, ist eine Inflationierung des einen ganz besonderen Augenblicks. Und ja, bei all der #positivity und #qualitytime könnte man fast neidisch werden. Aber eben nur fast. Denn trotz der hübsch anzusehenden Momentaufnahmen tendieren wir dann doch mehr als einmal am Tag zu der Frage: Wie um Himmels Willen kann das alles echt sein? Und wenn wir jetzt erst anfangen, unsere Bilder als Ausdruck des guten Lebens zu betiteln, was haben wir dann vorher gemacht? Nur die weniger glorreichen, weniger good-life-igen Momente ohne Aperitif in der Abendsonne gezeigt? Wohl kaum. Schließlich geht es bei Instagram ja eigentlich genau darum, die Bereiche des Lebens zu teilen, von denen wir anderen auch wirklich berichten wollen. Und dafür eignen sich eben einige Tage besser als andere. Wir wollen unsere Gefolgschaft schließlich nicht langweilen; noch dazu, wenn alle anderen sowieso schon viel interessantere Dinge erleben. Es ist sicher einfach, sich darüber lustig zu machen, dass heute nahezu jede, für uns vielleicht völlig alltägliche Situation mit einem #goodlife versehen wird. Andererseits zeigt uns der Hashtag aber auch einen Trend, auf den sich unsere Gesellschaft immer weiter zubewegt. Denn was auf den ersten Blick eher nach Angeberei aussieht, behandelt vielleicht die Zukunft unserer Wertvorstellungen. 

❞ Was wir da erleben, ist eine Infla­tio­nie­rung des einen ganz beson­deren Augen­blicks. ❝

Wenn das Foto wichtiger ist als das Gefühl

#goodlife ist der neue Ort für große Kulissen geworden. Schlagzeilen wie “Diese sieben Weltwunder sind bei Instagrammern besonders beliebt” oder “Instagram-Strände-Ranking: Welche Strände die beliebtesten sind” sind da nur ein weiterer Beweis dafür, dass unsere Gesellschaft immer mehr durch ein kollektives Streben nach einer optimierten Version des eigenen Lebens bestimmt wird. Erst kürzlich ergab eine Studie des Reiseportals Opodo, dass ein Drittel (!) aller Deutschen vor der Wahl des Urlaubsziels prüft, ob der Ort denn auch instagrammable genug ist. Was in den neunziger Jahren der Kodak Moment war, scheint heute also das #goodlife zu sein. Kein Wunder, dass da der Gedanke aufkommt, dass es bei all den reisebegeisterten Millenials und Digital Natives vielleicht gar nicht wirklich darum geht, einen Ort zu erleben und die bloße Verwertbarkeit der Aufnahme auf Instagram eigentlich schon ausreicht, um den Urlaub als gelungene Investition zu bewerten. Vielleicht sollten wir also alle einmal für ein paar Stunden darauf verzichten, nach der nächsten #instagramworthy Location zu suchen und stattdessen vollkommen in den Moment an einem fremden Ort eintauchen. Die Atmosphäre eines Ortes spüren und das Gefühl, das uns dabei erreicht, in unserer Erinnerung manifestieren. Im Alltag funktioniert das übrigens mindestens genauso gut. Und das Glas Wein auf der Dachterrasse schmeckt meist noch besser, wenn es vorher nicht von allen Seiten festgehalten wird. Dann ist es zwar vielleicht kein #goodlife-Moment mehr, aber immerhin ein seltener Moment, den man ganz allein für sich selbst verinnerlicht. Und gerade da liegt doch die Magie, die solche Momente überhaupt ausmacht.

Weitere Impulse zu Lifestyle

Fact Friday: Kommunikation im digitalen Zeitalter

Fact Friday: Kommunikation im digitalen Zeitalter

Wie wird sich unsere Kommunikation in Zukunft verändern? “Wir können darüber spekulieren, wie die Digitalisierung die Art verändert, wie wir morgen einkaufen, forschen oder ausgehen werden. Wer in seinen Schlussfolgerungen aber nicht stets bei der...

Fact Friday: Der Black Friday Hype

Fact Friday: Der Black Friday Hype

Warum der Black Friday ein schwarzer Tag der Menschheit ist Heute ist Black Friday. Nur zur Sicherheit. Für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass die Nachricht an Ihnen vorbeigegangen sein sollte. Warum höchst unwahrscheinlich? Selbst, wenn Sie sich in...

Fact Friday: Künstliche Intelligenz

Fact Friday: Künstliche Intelligenz

Siri, Alexa und Co - Wie wird künstliche Intelligenz unser Leben verändern? Künstliche Intelligenz, ein weiterer Mythos unserer Zeit, ist so eine Sache: Einerseits faszinierend und bereichernd, andererseits bereitet die Tatsache, dass Computer und...

Newsletter Anmeldung

 

Pin It on Pinterest

Share This