Wie wird sich unsere Kommunikation in Zukunft verändern?

“Wir können darüber spekulieren, wie die Digitalisierung die Art verändert, wie wir morgen einkaufen, forschen oder ausgehen werden. Wer in seinen Schlussfolgerungen aber nicht stets bei der Apokalypse landet, wird erkennen: Es wird ein Morgen geben – wenn auch ein etwas Anderes.” So leitete die Süddeutsche Zeitung einen Artikel ein, der auf den Tag genau vor sechs Jahren erschien. 1 “Digitales Morgen – Wie wir kommunizieren können” lautete der Titel des Beitrags, der sich den neuen Mitteln und Wegen widmete, die uns die Digitalisierung auf kommunikativer Ebene ermöglichte. Wie hat sich also die menschliche Kommunikation im Zeitalter von Social Media und Co verändert? Und wie werden wir in Zukunft kommunizieren?

Die Kommunikation der Gegenwart

“Man kann nicht nicht kommunizieren” ist eine der klugen Erkenntnisse unserer Zeit, die der österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftler und Philosoph Paul Watzlawick in seiner Kommunikationstheorie niederschrieb. 2 Er bemerkte außerdem, dass sich menschliche Kommunikation immer an digitalen und analogen Modalitäten bediene. Anders ausgedrückt heißt das, wir kommunizieren nicht nur über das gesprochene Wort, sondern auch auf nonverbaler Ebene (z. B. durch ein Lächeln oder bewusstes Wegschauen). Im Zuge der Digitalisierung scheint dem Begriff der digitalen Kommunikation also ein neuer Stellenwert im sozialen Miteinander unserer Gesellschaft auferlegt: Smartphones, soziale Netzwerke und Messenger-Dienste sorgen dafür, dass die zwischenmenschliche Kommunikation fast ausschließlich über den digitalen Weg erfolgt. Sprachnachrichten statt Anrufe, Gruppenchats statt gemeinsame Treffen, Likes statt “echte” Komplimente. Die Kommunikation der Gegenwart ist einfach, schnell und unkompliziert. Neue Kommunikationswege erleichtern das soziale Miteinander und schaffen uns damit mehr freie Zeit im Alltag. So jedenfalls die Vorstellung. 

Der Teufelskreis unserer Kommunikation

Stattdessen ist das Gegenteil der Fall: Statt also weniger gestresst und überfordert zu sein, fühlen wir uns unserer ohnehin schon begrenzten Kapazitäten nur noch weiter beraubt. Wir wollen so viele Dinge gleichzeitig erledigen, dass wir unsere Zeit immer häufiger doppelt verbuchen. Während wir in Meetings eigentlich dem Gesagten folgen sollten, klären wir unter dem Tisch im Familienchat, was es zum Abendessen gibt. Filme schauen wir meist nur mit dem geöffneten Laptop auf dem Schoß und bei Treffen mit Freunden ertappen wir uns regelmäßig dabei, das E-Mail-Postfach zu aktualisieren. Multitasking mag das der Optimist unter uns nennen. Nüchtern betrachtet handelt es sich dabei eher um den Verlust der eigenen Konzentrationsfähigkeit. Es fällt uns zunehmend schwerer, uns auf eine Aufgabe bewusst zu konzentrieren, während weitere zehn Tabs im hinteren Teil unseres Hirns geöffnet sind.

Die logische Konsequenz: Informationen gehen verloren oder werden gar nicht erst wahrgenommen. Machen wir uns unsere zwischenmenschlichen Fähigkeiten also durch den unkontrollierten Gebrauch digitaler Kommunikationsmittel auf Dauer selbst kaputt? Wir befinden uns wohl inmitten eines Teufelskreises. Genauer gesagt, eines kommunikativen Teufelskreises. Wir fühlen uns einerseits überfordert mit den angebotenen Möglichkeiten, schaffen es andererseits aber nicht, uns all dem zu entziehen. Was wir dagegen tun können? Meistens helfen schon kleine Dinge, die das Problem überhaupt ins Bewusstsein rufen. Dem Drang, nach dem Smartphone zu greifen, widerstehen und dem Gegenüber stattdessen die volle Aufmerksamkeit widmen zum Beispiel.

Machen wir uns unsere zwischenmenschlichen Fähigkeiten also durch den unkontrollierten Gebrauch digitaler Kommunikationsmittel auf Dauer selbst kaputt? ❝

Und was kommt danach: Die Kommunikation der Zukunft

Die Digitalisierung bedeutet für die Art, wie wir kommunizieren, Segen und Fluch zugleich. Denn Kommunikation ist eben nicht nur das Austauschen von verbalen Lauten. Kommunikation geht weit darüber hinaus. Wer nun also versucht das komplexe System der Kommunikation in eine 150-Zeichen lange Textnachricht zu packen, wird auf lange Sicht daran verzweifeln. Das ist ebenso sicher, wie die Tatsache, dass ein echtes und ehrliches Gespräch wesentlich mehr wiegt, als der bloße Austausch von Sprachnachrichten. Vielleicht ist genau diese Art der Rückbesinnung auf die emotionale Ebene der Grund, warum das Smartphone langsam aber dennoch merklich an Bedeutung verliert. 3

❞ Kommunikation ist eben nicht nur das Austauschen von verbalen Lauten. Kommunikation geht weit darüber hinaus.

Stattdessen sollen smarte Halsketten, AR-Brillen und Gehirn-Computer-Schnittstellen den Markt erobern. Ob das unser Problem überstrapazierter Kapazitäten und dem Wunsch nach einer digitalen Ruhepause löst, bleibt eher fraglich. Erste Ansätze für das bewusste Konzentrieren liefern die neuesten Konzepte dennoch: Smarte Halsbänder lassen den Blick vom Display abschweifen, während AR-Brillen ihn direkt dahin lenken. Und selbst wenn das nicht funktioniert, können wir uns einer Sache sicher sein. Kommunikation verändert sich ständig – auch unabhängig jeglicher Digitalisierung.

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