Aber was passiert eigentlich mit den Retouren?

Schnell, einfach und möglichst stressfrei – Beim Einkaufen mögen wir es unkompliziert. Im Zeitalter der Digitalisierung bietet uns das Internet genau das: ein virtuelles Einkaufszentrum abseits von Hektik und Gedränge. Mit nur ein paar Klicks landet das Objekt der Begierde vom Warenkorb in unserem Kleiderschrank. Wie von Zauberhand könnte man meinen. Aber machen wir es uns damit nicht etwas zu leicht? Und wer sind am Ende die Leidtragenden des neuen Shoppingwahns im Internet? Wir wagen einen Blick hinter die Kulissen der großen Versandhäuser.

Überfülltes Einkaufszentrum? Nein, danke!

Es könnte so schön sein. Doch die durchaus verlockende Vorstellung eines entspannten Einkaufsbummels wird häufig überschattet von der ewigen Suche nach einem Parkplatz, von überfüllten Geschäften und endlosen Warteschlangen an den Umkleiden. Besonders in den letzten Wochen eines jeden Jahres, kurz bevor die Weihnachtsfeiertage zu Ruhe und Besinnung aufrufen, scheinen die Innenstädte aus allen Nähten zu platzen. Grund genug, um den Weihnachtsvorbereitungen einfach vom heimischen Sofa aus nachzugehen. Generell bewegt sich der Trend in den vergangenen Jahren weg von einem stationären Shoppingerlebnis. Stattdessen gewinnen Onlineshops und Versandhändler immer mehr an Bedeutung. Nach Angaben des Onlineportals Trusted Shops tätigt jeder Deutsche durchschnittlich 24 Onlinebestellungen jährlich – das macht pro Kopf zwei Bestellungen im Monat. 1 2018 ergab sich daraus für den E-Commerce-Markt ein Jahresumsatz von 53 Milliarden Euro – 2019 wird sich der Umsatz den Prognosen zufolge sogar noch erhöhen. 2 Etwa die Hälfte der deutschen Onlinekäufer achtet bei ihrer Bestellung auf eine kostenlose und schnelle Lieferung. Etwa 40 Prozent der Befragten erwarten dabei eine Lieferung am gleichen Tag; in der Regel sollte der Versand nicht länger als drei Tage dauern. Im internationalen Vergleich gehören die Deutschen damit zu den anspruchsvollsten Konsumenten. 3  

Statt einen Artikel einfach zu bestellen, sollten wir uns zunächst fragen, aus welchen Gründen wir den Onlineshop wirklich geöffnet haben: Weil wir eines der Produkte wirklich brauchen? Oder eher aus einer Laune heraus? ❝

Kostenlose Rücksendung als Ausschlusskriterium

Obwohl dem Onlinehandel (im Vergleich zum stationären Einkauf mit dem Auto) eine klimafreundlichere Transportbilanz nachgesagt wird, könnte die vermeintlich positive Umweltbilanz künftig ins Wanken geraten. Schuld daran ist vor allem die hohe Rücksendequote vieler Bestellungen, die auch für die Onlineshops selbst allmählich zur Belastung wird. Denn neben einer kostenfreien und möglichst tagesaktuellen Zustellung der Waren fordert der Großteil der Konsumenten auch die Möglichkeit einer kostenlosen Rücksendung, die von rund 70 Prozent aller Einkäufer regelmäßig an Anspruch genommen wird. Nach Schätzungen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg werden demnach jedes Jahr 280 Millionen Artikel zurückgeschickt. 4 Die am häufigsten genannten Gründe für eine Retoure sind dabei die mangelnde Qualität, defekte Artikel oder falsche Größen. Besonders Kleidungsstücke werden oft in verschiedenen Größen bestellt – um sicherzugehen, dass die neue Hose auch wirklich passt. 

Und was passiert nun wirklich mit Rücksendungen?

Die Konsequenz der kulanten Rücksendepolitik vieler Versandhändler: Im Sekundentakt laufen Pakete über die langen Fließbänder der Rücksendezentren – manchmal bis zu 200.000 Pakete täglich. Was dort passiert, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Während der Versandriese Amazon im vergangenen Jahr mit der täglichen Vernichtung von Waren im Wert von mehreren 10.000 Euro für negative Schlagzeilen sorgte 5, versuchen andere Onlinehändler nicht beschädigte Ware wieder in den Versand zu bringen. Nach eigenen Angaben werden in den Unternehmen der Otto-Gruppe so zum Beispiel 95 Prozent aller Retouren gesichtet und wieder verschweißt. Lediglich stark verschmutzte Ware, die nicht mehr wiederverwendet werden könne, lande dabei in der Altkleidersammlung. Wie glaubwürdig solche Angaben sind, bleibt dabei jedoch fraglich. Denn allein die Verarbeitung einer Retoure kostet die Unternehmen pro Artikel rund einen Euro, die Transportkosten für die Rücksendung kommen noch obendrauf. Es wäre also nicht nur einfacher, sondern auch wesentlich kostengünstiger, die retournierten Artikel einfach zu entsorgen. Um das Problem langfristig lösen zu können, braucht es ein bewussteres Kaufverhalten im Internet. Statt einen Artikel einfach zu bestellen, sollten wir uns zunächst fragen, aus welchen Gründen wir den Onlineshop wirklich geöffnet haben: Weil wir eines der Produkte wirklich brauchen? Oder eher aus einer Laune heraus? Haben wir wirklich vor, den Artikel zu behalten? Oder wollen wir uns das Produkt nur einmal anschauen? Um Bestellungen aus Neugier oder Bequemlichkeit zu vermeiden, weisen einige Versandhändler wie Otto ihre Kunden mittlerweile darauf hin, sobald das gleiche Kleidungsstück in mehr als drei Größen im Warenkorb landet – mit der Folge, dass die Rücksendequote bereits gesunken sei. Der Umwelt (und dem eigenen Geldbeutel) zuliebe. 

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