Designklassiker sind nicht nur schön anzusehen, einfach in ihrer Idee und stilvoll in der Umsetzung. Designklassiker haben auch eine gewisse Tradition, etwas Beständiges und Langfristiges. Aber wie wird ein Designerstück überhaupt zum Klassiker?

Die Geschichte der Designklassiker

 

Ein Designstück fällt nicht vom Himmel. Und es fällt seinem Künstler in der Regel auch nicht einfach ein. Stattdessen erfordert das Erschaffen von einem Designklassiker zunächst eine Idee oder eine Inspiration; einen Grundgedanken sozusagen, aus dem sich eine Struktur ableiten lässt. Was folgt ist ein längerer Prozess, der sich aus unzähligen kleinen Zwischenschritten zusammensetzt, weiterentwickelt und ausdifferenziert. Damit lässt sich Gestaltung und Design mit den Charakterzügen der Kunst vergleichen – beides verlangt eine Vision, Geduld und Mut. In der Vergangenheit fehlte es jedoch oft an so weitreichenden Ideen; bestehenden Stücken mangelte es an Charme, Eleganz oder Ästhetik. Gerade für Architekten wurde das im Planungsprozess neuer Gebäude zum Problem. Die Lösung: Selbst kreativ werden.

Den Entwürfen großer Architekten widmen sich heute nicht nur Galerien und Einrichtungshäuser. Ganze Museen beschäftigen sich heute mit der Geschichte bekannter Designklassiker und setzen sie in Beziehung zu Architektur, Kunst und Alltagskultur. Besonders ein Möbelstück scheint dabei im Zentrum besagter Ausstellungen zu stehen: Kaum ein Designentwurf wurde so oft überarbeitet und neu interpretiert wie der Stuhl. Das rege Interesse liegt in der alltäglichen Bedeutung des Stuhls, aber auch in der konstruktiven Herausforderung der Gestaltung begründet. Einerseits muss er das Gewicht des menschlichen Körpers tragen, andererseits eine gewisse Leichtigkeit vermitteln. Der Stuhl ist damit Architektur im Kleinen und ein Paradebeispiel für die Verbindung von Form und Funktion, die jeder Designklassiker in sich vereint.

Ganze Museen beschäftigen sich heute mit der Geschichte bekannter Designklassiker und setzen sie in Beziehung zu Architektur, Kunst und Alltagskultur. ❝

Von der Idee zum Designklassiker

 

Ein neues Designstück entsteht meist auf Basis von Erfahrung und einem ausgeprägten Formbewusstsein. Ob daraus ein Designklassiker wird, entscheiden verschiedene Faktoren, die sowohl intrinsischer als auch extrinsischer Natur sein können. Als intrinsische Gründe werden in erster Linie die Charakterzüge und Eigenschaften verstanden, die dem Objekt innewohnen. Eine neue Form, die so noch nicht verwendet wurde, eine besondere konstruktive Lösung oder eine innovative Oberflächenbeschaffenheit. Im Fokus steht der Neuigkeitswert und innovative Charakter eines Objektes, der fernab bisheriger Möglichkeiten erschaffen wurde. Für bekannte oder anerkannte Künstler ist es leichter, neue Klassiker zu entwerfen: Der EggChair des dänischen Designers und Architekten Arne Jacobsen wurde 1958 für die Lobby des SAS Royal Hotels in Kopenhagen entworfen und einen skulpturalen Kontrast zu den beinahe rein senkrechten und waagerechten Oberflächen des Hotelgebäudes bildete. Internationale Bekanntheit erlangte »das Ei« jedoch nicht nur durch die elegante Neuinterpretation seiner schlichten, fast schwebenden Form, sondern auch durch die anschließende Präsentation in einer bedeutenden Designausstellung. Das Beispiel von Arne Jacobsens Entwurf zeigt, dass auch extrinsische Faktoren die äußere Wahrnehmung und die Entwicklung eines Designstückes beeinflussen können.

Das Potenzial jüngster Designklassiker

 

Designklassiker sind zeitlos schön, zeugen von guter Qualität und Langlebigkeit. Wer von Klassikern spricht, meint meist etwas Beständiges, etwas mit Traditionscharakter. Doch wo liegt das Potenzial jüngster Entwicklungen? Können heute überhaupt noch so einflussreiche Designentwürfe entstehen? Tatsächlich fällt es jungen Designern immer schwerer dem wachsenden Angebot ihre Ideen und Visionen entgegenzusetzen. Wo es früher an Vielfalt mangelte, erleben wir heute einen regelrechten Boost. Immer wieder profitieren Nachwuchsdesigner von den kurzen Hochzeiten neuer Materialien, allerdings erscheinen die Materialinnovationen längst nicht mehr so massiv. Und dennoch gibt es immer wieder Newcomer, denen es gelingt, den Zeitgeist zu treffen und sich so von der breiten Masse abzuheben. Das schwedische Label Front fertigt innovative Möbelstücke im 3D-Druck und illustriert damit neue Möglichkeiten der Herstellung. Die Designleuchten von HOLY TRINITY verbinden zeitlose Ästhetik mit bekannten mensch­lichen Hand­lungs­ab­läufen, die in einem innovativen System gebündelt und auf die Steuerung der Leuchte adaptiert werden. Die minimale Formgebung des Entwurfs und das neue Verständnis von alltäglicher Ästhetik machen die Produkte zu Designklassikern der jüngsten Generation – und beweisen, das weitreichende Ideen nicht immer auch weit in der Vergangenheit liegen müssen.

Headerbild by © Hay

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