Spamfilter schützen uns vor unerwünschten E-Mails, Computerprogramme liefern uns im Minutentakt automatisierte Sport- und Börsenberichte, Siri und Alexa beantworten die Fragen unseres Alltags. Künstliche Intelligenzen dienen als smarte Helfer, die unser Leben und unseren Umgang mit modernen Technologien verändern. Auch die Umwelt soll KI entlasten. So ist die Entwicklung künstlicher Intelligenzen meist mit dem Versprechen von Effizienz und Ressourcenschonung verknüpft. Doch unterstützt KI wirklich ein nachhaltigeres Leben?

Der CO2-Verbrauch von KI

 

Vor wenigen Monaten sorgte eine Studie der University of Massachusetts für Aufsehen: Forscher fanden heraus, dass das Trainieren eines neuronalen Netzwerkes, das für natürliche Sprachverarbeitung zum Einsatz kommt, 313 Millionen Tonnen CO₂ emittiert. Das entspricht dem Verbrauch von fünf Fahrzeugen in ihrem gesamten Lebenszyklus. Auch wenn es längst kein Geheimnis ist, dass Grafikprozessoren für die sogenannten Deep-Learning-Verfahren energieintensiv sind, überraschen solche Meldungen – gerade in Zeiten, in denen die politische Agenda von der Debatte um den Klimaschutz bestimmt wird.

Umweltbelastung Internet: Wie schädlich sind Suchmaschinen wirklich?

 

2009 berechnete der Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross den CO2-Verbrauch von Google: Während das Unternehmen selbst von 0,2 Gramm CO2 pro Suchanfrage ausgeht, verursachte eine Suchanfrage tatsächlich ganze sieben Gramm CO2.  Zwei Suchanfragen verbrauchen demnach genauso viel Energie, wie für das Aufkochen einer Kanne Tee benötigt wird.1 Mittlerweile verarbeitet Google pro Tag 3,5 Milliarden Suchanfragen, was zu einer erschreckenden Menge an umweltschädlichen Gasen führt. Das Dilemma der digitalisierten Gesellschaft: Wer sich im Internet über den Klimaschutz informieren oder auf Facebook und Twitter über Klimaleugner echauffieren will, erhitzt das (Diskurs-)Klima und verstärkt das Phänomen noch weiter.

KI als ultimativer Klimakiller?

 

Ist KI nun der ultimative Klimakiller? Zum ersten Mal wird der Zielkonflikt zwischen Wissen und Ökologie deutlich. Wer heute einen Klassiker über Google Books aufruft und sich den Text von KI übersetzen lässt, sorgt dafür, dass die Großrechner in den Serverfarmen auf Hochtouren laufen. Schon jetzt beanspruchen solche Rechenzentren zwei Prozent des globalen Stromverbrauchs und emittieren so viel CO2 wie die Luftfahrtindustrie.1 Bis 2025 könnte die Datenproduktion 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs ausmachen. Auch wenn Google und andere Konzerne immer wieder betonen, dass ihre Serverfarmen mit erneuerbaren Energien betrieben werden, bezahlen wir für Wissen einen ökologischen Preis. Der datengetriebene Kapitalismus breitet sich kaum wahrnehmbar immer weiter aus. Dabei bedient er sich an fossilen Brennstoffen, um immer größere Datenmengen als “Treiber” verarbeiten zu können. Kurz gesagt: Je mehr Daten die Systeme verarbeiten müssen, desto mehr Ressourcen sind notwendig – und desto mehr Daten müssen generiert werden, um einen Mehrwert zu schaffen.

Die massive globale Infrastruktur, die wir im Zuge des digitalen Kapitalismus aufbauen, […] benötigt eine riesige Menge Energie. ❝

— Greenpeace-Aktivist Gary Cook

Doch können wir dem entgehen? Und wenn ja, um welchen Preis?

Das sind Fragen, die wir hier und heute wohl nicht klären können. Zwei Dinge möchten wir jedoch abschließend hervorheben:

 

1. Die Studienergebnisse der University of Massachusetts sorgten zwar für allerlei Aufsehen, zeigten aber auch, dass die Optimierung der derzeitigen Modelle langfristig für CO2-Einsparungen sorgen könnte. Denn wenn die Programmierung einer sprachgesteuerten Navigations-App so viel CO2 wie fünf Pkw verbraucht, durch eine intelligente Steuerung des Verkehrs aber die Emissionen senkt, kann KI letztlich doch noch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

2. Den finalen Denkanstoß, den wir ihnen abschließend mit auf Weg geben wollen: Müssen wir wirklich für jede kognitive Aufgabe künstliche Denksysteme einschalten? Der Supercomputer Watson verbrauchte 85.000 Watt, als er bei einer Rateshow zwei menschliche Spieler bezwang; das menschliche Gehirn benötigt lediglich 20 Watt. Statt bei jeder Frage Siri, Alexa und Co als digitale Unterstützer heranzuziehen, und damit die Rechenzentren noch mehr anzuheizen, sollten wir uns wieder mehr darin üben, unsere eigenen Denkfähigkeiten zu bemühen. Am Ende ist das menschliche Gehirn noch immer das umweltfreundlichste Denksystem.

Doch können wir dem entgehen? Und wenn ja, um welchen Preis?

Das sind Fragen, die wir hier und heute wohl nicht klären können. Zwei Dinge möchten wir jedoch abschließend hervorheben:

 

1. Die Studienergebnisse der University of Massachusetts sorgten zwar für allerlei Aufsehen, zeigten aber auch, dass die Optimierung der derzeitigen Modelle langfristig für CO2-Einsparungen sorgen könnte. Denn wenn die Programmierung einer sprachgesteuerten Navigations-App so viel CO2 wie fünf Pkw verbraucht, durch eine intelligente Steuerung des Verkehrs aber die Emissionen senkt, kann KI letztlich doch noch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

2. Den finalen Denkanstoß, den wir ihnen abschließend mit auf Weg geben wollen: Müssen wir wirklich für jede kognitive Aufgabe künstliche Denksysteme einschalten? Der Supercomputer Watson verbrauchte 85.000 Watt, als er bei einer Rateshow zwei menschliche Spieler bezwang; das menschliche Gehirn benötigt lediglich 20 Watt. Statt bei jeder Frage Siri, Alexa und Co als digitale Unterstützer heranzuziehen, und damit die Rechenzentren noch mehr anzuheizen, sollten wir uns wieder mehr darin üben, unsere eigenen Denkfähigkeiten zu bemühen. Am Ende ist das menschliche Gehirn noch immer das umweltfreundlichste Denksystem.

1 https://www.telegraph.co.uk/technology/google/4217055/Two-Google-searches-produce-same-CO2-as-boiling-a-kettle.html

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