Ein Verkehrsschild kostet rund 350 Euro, im Jahr 2000 wurde der Sinn des Lebens für 3,26 US-Dollar über eBay versteigert und jeder Zehnte wählt bei vierstelligen PIN die Kombination 1234. 1 Das ist interessant und sorgt auf Feierlichkeiten sicher für den ein oder anderen Lacher. Aber ist das wirklich Wissen, das uns im Alltag weiterbringt? Was ist eigentlich Wissen? Und wie wichtig ist Wissen für unseren beruflichen Erfolg wirklich?

Was verstehen wir unter Wissen?

“Denn Wissen selbst ist Macht” – Glauben wir dem britischen Philosophen Francis Bacon, zeugt Nichtwissen von Schwäche. Gleichzeitig erzeugt es unrealistische Erwartungen und hindert uns daran, im Leben einen Schritt weiterzugehen. Aber ist das wirklich so? Kann Unwissenheit automatisch mit Kontraproduktivität und der Abkopplung von der Realität gleichgesetzt werden? Prof. Dr. Knut Schwippert widmet sich seit vielen Jahren der empirische Bildungsforschung. In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt 2 wurde er nach seiner Definition von Wissen gefragt und unterschied daraufhin zwischen Wissen, das in Kreuzworträtseln abgefragt werde (deklaratives Wissen) und Wissen, das uns im Alltag dabei hilft, bestimmte Dinge umzusetzen (prozedurales Wissen). Das heißt also, die Menschen die über alles und jeden Bescheid wissen, sind nicht unbedingt auch die Menschen, die im Alltag am besten zurecht kommen. Denn das bloße Wissen an sich reicht nicht aus, vielmehr geht es im Alltäglichen darum, Zusammenhänge zu verstehen und in Handlungen zu übersetzen. 

❞ Wissen stellt die Schlüsselkompetenz im Umgang mit der Welt dar. Ohne Wissen kommt niemand in unserer Gesellschaft klar. ❝

— Prof. Dr. Knut Schwippert 2

Wie bringt Wissen uns im Alltag weiter?

Schon von Kindesalter an wird uns vermittelt, dass ein gewisses Grundlagenwissen – auch als Allgemeinbildung definiert – von enormer Bedeutung ist. Doch welches Wissen von unserer Gesellschaft vorausgesetzt wird, hängt nicht zuletzt auch von der kulturellen Verankerung ab. “Bestimmte Umgangsformen, die für uns selbstverständlich sind, wirken für andere fremd und umgekehrt”, erklärt Schwippert im Interview. Während im deutschsprachigen Raum in erster Linie medizinisches oder technisches Wissen einen hohen Stellenwert hat, schätzen andere Kulturen Wissen über Religionen und Traditionen. Neben dem Wissensbegriff als solches verlangt eine funktionierende Gesellschaft aber auch eine gewisse soziale Kompetenz. Denn wenn sich die Menschen in einem Kulturkreis auf sozialer Ebene nicht verständigen können, ist das Zusammenleben zum Scheitern verurteilt. Auch hier geht es darum, unterschiedliche Verhaltensweisen richtig zu analysieren und daraus eine realistische Erwartungshaltung abzuleiten. Es geht um offene Kommunikation und Auseinandersetzung mit den Menschen aus dem eigenen Umfeld. Das setzt zwar kein Fachwissen im engeren Sinne voraus, bedarf aber dennoch einer emotionalen Intelligenz.

Berufliche Weiterbildung: Können wir zu viel wissen?

Um im Alltag zu bestehen, müssen wir nicht alles wissen. Für fachspezifische Themen gibt es Experten, auf deren Sachverstand wir vertrauen können und sollten. Anders im Berufsalltag: Denn dort gilt eine gewisse Fachexpertise als Grundvoraussetzung. Wer also auf beruflicher Ebene erfolgreich sein will, kann nach der eigentlichen Ausbildung nicht einfach aufhören, sich weiterzubilden. Wir lernen unser Leben lang neue Dinge, also sollten wir uns auch im Job kontinuierlich neues Wissen aneignen. Die gute Nachricht: Wir leben in einem Zeitalter, das uns die Möglichkeit bietet, schnell und einfach an Wissen zu gelangen. Wir müssen heute nicht mehr zwingend in den nächsten Buchhandel gehen, um auf Fachliteratur zugreifen zu können. Ob Blogs, Onlinemagazine oder Webinare – das Internet bietet mittlerweile verschiedenste Mittel und Wege, um sich über die neuesten Branchentrends und -entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Über Foren oder Social Media können wir uns außerdem mit Kollegen vernetzen und austauschen. Das ist nicht nur gut für den Kopf, es fördert auch unsere soziale Kompetenz. Und die ist, wie wir ja bereits wissen, auf privater wie beruflicher Ebene nicht ganz unerheblich. Ob wir zu viel wissen können? Nein. Solange wir gelernte Fertigkeiten in Handlungen übersetzen und damit bewusst anwenden können, öffnet neues Wissen immer wieder neue Türen. 

Was wir also am Ende mitnehmen sollten: Weiterbildung hört nicht mit dem Berufsschul- oder dem Hochschulabschluss auf. Weiterbildung begleitet uns ein Leben lang. Denn nur wer up to date bleibt, kann dem wachsenden Bedarf an Bildung gerecht werden und sich langfristig gegen Mitbewerber durchsetzen.

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