Je mehr Zeit wir mit Reisen verbringen, in Hotels oder Airbnb’s übernachten, umso wichtiger wird uns der Wohlfühlfaktor im eigenen Zuhause. Wir lieben klar strukturierte Elemente, geometrische Formen, neutrale Farben. Und trotzdem wünschen wir uns das gewisse Etwas, das Besondere, einen Hauch an Extravaganz. Für uns muss ein Zuhause eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte über die Persönlichkeit und den individuellen Stil der Bewohner, mit Stücken aus deren Vergangenheit und Gegenwart. Denn mal ehrlich, nichts ist ungemütlicher (und langweiliger) als eine Wohnung, die eins zu eins aus einem Möbelkatalog stammen könnte.

via GUBI

❞ Ein Zuhause muss eine Geschichte erzählen. Nichts ist ungemütlicher als eine Wohnung,  die eins zu eins aus einem Möbelkatalog stammen könnte. ❝

Wohnraum mit Persönlichkeit

Stillstand wird schnell eintönig. Bei der Wohnungseinrichtung – genau wie im Leben – braucht es regelmäßig Entwicklung. Es braucht Zuwachs und Veränderung, ab und an auch die Trennung von Dingen. Die Geschichte will schließlich kontinuierlich weitererzählt werden. Damit das gelingt, verlangt es in erster Linie Intuition und Kreativität, vielleicht auch einen Hauch von Stilgefühl. Beim Einrichten verhält es sich wie in der Mode: Denn auch da kommt es nicht zwingend auf ein einzelnes Kleidungsstück an. Es geht vielmehr darum, das eine, vielleicht sehr besondere Teil richtig zu kombinieren und damit gezielt in Szene setzen, es lebendig werden zu lassen. Bei der Wohnungsgestaltung liegt der Fokus genauso wenig auf einzelnen Stücken, denn so schön ein Tisch, ein Stuhl oder eine Leuchte auch sein mögen, erst die richtige Mischung sorgt dafür, dass sie interessant und besonders werden.

Stilbrüche für das gewisse Etwas

Im Duden wird Stilbruch als die “Verwendung von verschiedenen Stilen [oder] Stilmitteln, die nicht zueinanderpassen” beschrieben1; eine Definition, die irgendwie nicht so ganz zu unserer Intention zu passen scheint, einen optisch harmonierenden und aufeinander abgestimmten Einrichtungsstil zu erschaffen. Doch genau hier liegt der Ansatz, der die Kombination verschiedener Stile so spannend und unvorhersehbar macht: Denn für die besondere Persönlichkeit eines Raumes oder einer Wohnung sorgen eben genau jene kleinen Stilbrüche, mit denen hin und wieder bewusst (oder weniger bewusst) gespielt wird. Jene Stilbrüche, die einem Raum die nötigen Ecken und Kanten verschaffen, die dafür sorgen, dass Besucher ihn mit einem kurzen Innehalten, gefolgt von einem “Oh, hast du es schön hier” betreten.

Verschiedene Stilrichtungen kombinieren: So gelingt’s

Auch wenn wir glauben, dass die Inneneinrichtung viel mit der Persönlichkeit und den intuitiven Entscheidungen von Individuen zutun hat und es damit keine festen Regeln oder Muster geben sollte, haben wir trotzdem ein paar einfache Tipps zusammengestellt, wie die Kombination verschiedener Stilrichtungen funktionieren (und was schwierig werden) kann.

1 Mutig sein 

Bevor wir mit der Recherche anfingen, haben wir uns gefragt, welche Stilrichtungen sich in unserer Vorstellung überhaupt miteinander kombinieren lassen. Die Antwort darauf war schnell gefunden, denn im Grunde ist alles möglich. Wie sagt man so schön? Nichts muss, alles kann. Das mag zwar so einfach klingen, beschreibt in gewisser Weise aber ziemlich genau unser Empfinden, dass auch gegensätzliche Einrichtungsstile miteinander harmonieren können. Schlichte und geometrische, nordische Designmöbel gepaart mit natürlichen Formen und verspielten Elementen aus dem Süden? Warum nicht.

2 Keine Scheu vor alten Stücken 

Wenn wir unseren eigenen Stil beschreiben müssten, wäre es wohl irgendwas wie moderner Purismus trifft auf skandinavische Designklassiker. Und es stimmt: Wir lieben das Moderne, das Abstrakte, suchen aber immer wieder gezielt nach Möbelstücken mit Vergangenheit, Designklassikern mit Tradition oder auch nach Materialien, die für Gemütlichkeit und Wärme sorgen. Eine Mischung aus alten und neuen Stücken verkörpert mehr Persönlichkeit beim Wohnen als ein einheitlicher, durch und durch aufeinander abgestimmter Look. Die Spannung liegt dabei oft in der Imperfektion. Auch wenn ein Erbstück oder ein Element aus einer anderen stilistischen Epoche kleine Makel besitzt und auf den ersten Blick nicht in den Raum passt, sorgt die richtige Kombination meist dafür, dass sich doch ein ineinander stimmiges Gesamtbild erschaffen lässt.

3 Geduld beweisen

Einen Fehler, den wir in der Vergangenheit oft selbst begangen haben: Vorschnelle oder überstürzte Entscheidungen getroffen, weil wir eben genau jetzt die Lücke in der Ecke des Raumes oder an der Wand füllen wollten. Sicher ist es dauerhaft frustrierend, in einer halbfertigen Wohnung zu leben. Doch Einrichten ist ein Prozess, der auch mal länger dauern darf. Kaufentscheidungen, die aus dem Affekt oder unter Einfluss des Umfeldes getroffen werden, sorgen meist dafür, dass sich der Kauf auch dauerhaft wie eine Kompromisslösung anfühlen wird. Und das macht auf Dauer einfach nicht glücklich. Gerade das Suchen, das Recherchieren, das geschickte Verhandeln sorgt dafür, dass wir uns mit einem Einrichtungsgegenstand auseinandersetzen und dass wir ihn wertschätzen lernen. Vielleicht ist es hier ein wenig wie in der Liebe. Wenn der oder die Richtige daher spaziert kommt, werden wir es schon merken.

via GUBI

4 Mit Farben und Mustern spielen

Wenn wir ehrlich sind, gehören wir eher zu der Sorte von Menschen, die bunten Farben und Mustern nur wenig abgewinnen können. Doch mit Punkt 1 im Hinterkopf haben wir uns fest vorgenommen, uns mehr mit verschiedenen Farbkonzepten auseinanderzusetzen. Dabei muss es nicht gleich ein intensives Blau oder Grün an der Wand sein. Oft reichen schon ein paar farbliche Akzente in Accessoires oder Textilien, um für mehr Kontrast zu sorgen. Abstrakte Bilder mit verschiedenen Farben, ein farbiges Element oder eine Grünpflanze liefern so vielleicht genau den einen klitzekleinen Farbklecks, der einer Wohnung bislang gefehlt hat. Auch farbig angestrichene Möbel – gerade fasziniert uns eine Ton-in-Ton-Gestaltung von Möbelstück und Wandfarbe – sorgen dafür, dass einem Raum mehr Tiefe verliehen wird. Let’s try.

5 Die richtigen Materialien wählen

Der Klassiker unter den Materialien und unser All-Time-Favorite: Ganz klar, die Rede ist von Holz. Holz verleiht einem Raum die nötige Wärme und sorgt besonders im Zusammenspiel mit schwarzen Tönen für eine kontrastreiche Optik. Aber aufgepasst: Zu viele Holzarten aus verschiedenen Epochen sollten nicht miteinander vermischt werden, da so schnell Unruhe aufkommen kann. Wer auf Nummer Sicher gehen will, greift am besten auf schlichte, einfarbige Möbelstücke zurück. Besonders mit weißen Möbeln kann man nie etwas falsch machen, die lassen sich immer gut kombinieren. Naturfarbene Materialien wie Wolle, Leinen, Korb oder Rattan sind für uns der Ausdruck von Gemütlichkeit und machen eine Wohnung überhaupt erst zu einem Zuhause.

1 https://www.duden.de/rechtschreibung/Stilbruch

Titelbild via Entrance Makleri

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