Die MAISON&OBJET ist nicht nur irgendeine weitere Designmesse; es ist die wahrscheinlich wichtigste Fachmesse für alle, die das Unerwartete lieben. Wir zeigen, auf welche Trends wir uns freuen dürfen, warum Handarbeit wieder à la mode ist und welcher Raum künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommen sollte.

Kreativität in neuen Dimensionen

Vom 5. bis 10. September 2019 setzte sich die Pariser Kreativszene mit Kunst und Design in den vielfältigsten Ausdrucksformen auseinander. Neben den Größen der Branche zeigten auch junge Talente ihre Kollektionen, die außergewöhnliches Design in neue Dimensionen transferierten. Als Schnittstelle zwischen der kreativen Arbeit und dem erfolgsorientierten Verkauf von Designprodukten definierte die MAISON&OBJET die neuesten Trends für den globalen Markt; lieferte Inspirationen und Anreize für Möbel, Wohnaccessoires, Textilien, Düfte und die Welt der Kinder. Die Besucher erlebten dabei nicht nur eine Projektion des zukünftigen Lebensgefühls, sondern fanden sich an einem multikulturellen Knotenpunkt des zeitgenössischen Lebens wieder, der eine Plattform für den internationalen Austausch zwischen Gleichgesinnten darstellte. 

Messestand von Hartô Paris auf der Maison et Objet 2019 / © Hartô

What’s New? – Die Trends im Überblick

Die “Whats New?” erweckt die aktuellen Trends der Branche zum Leben: Die September Edition der MAISON&OBJET präsentierte eine subtile, inspirierende und vielfältige Auswahl neuer Produkte in den Bereichen Living, Share, Care und WORK!. Während Share mit extravagantem Geschirr zu mehr Mut im Esszimmer aufrief, erzählte Care die Geschichte von Wohlbefinden, Intimität und Textur, die mit sanften und natürlichen Materialien im Schlafzimmer zum Ausdruck kommen soll. Living by François Bernard erkundete eine neue und einzigartige Dimension des kreativen Designs, das sich über drei Räume erstreckte. Modern Living wurde dabei in erster Linie durch geometrische Formen und abstrakte Denkmuster geprägt; Sculptural Living zeigte einzigartige handgefertigte Stücke und Soft Living zeigte eine Neuinterpretation des skandinavischen Stils mit japanischem Einschlag, die sanfte Farben, natürliche Materialien und technologische Objekte mit abgerundeter Formgebung vereinte. 

Das Büro als Rückzugsort

Mit WORK! richtete sich Initiatorin Chantal Hamaide an die Gesellschaft von Morgen, die durch Schlagworte wie Mobilität, Funktionalität und Vernetzung definiert wird. Durch die Neuausrichtung des Arbeitsbegriffs ändern sich jedoch die Ansprüche an das räumliche Umfeld: Ein Büro ist heute nicht mehr nur ein Raum, der aus Schreibtisch, Stuhl und Aktenschrank besteht. Ein Büro ist mittlerweile ein multifunktionaler Ort, der den nomadischen Lebensstil unserer vernetzten Gesellschaft in häusliche Konventionen bringt. Das Büro der Zukunft – ein Raum, um sich zu vernetzen, die Batterien aufzuladen und kreativ zu sein. Auf 1.000 Quadratmetern widmete sich die MAISON&OBJET den neuesten Design- und Beleuchtungselementen, die ein Arbeitszimmer zu einem Zuhauses machen.

Das Büro der Zukunft: Modernes Arbeitszimmer mit USM Sideboard. / © USM

TINEKHOME liefert eine moderne Neuinterpretation von Bambusmöbeln. / © TINEKHOME

Die Natur im Fokus

Design lebt in erster Linie von Inspirationen aus Architektur, Kunst, Kultur – und der Natur. Möbel und Designelemente aus Naturmaterialien wie Rattan oder Bambus bleiben auch 2020 im Trend. TINEKHOME zeigte elegante Bambusmöbel, die natürliche Formen, skandinavisches Design, Langlebigkeit und Qualität miteinander verbinden. Das Familienunternehmen Orchid Edition sorgt mit seinen ausgefallenen Rattanmöbeln für eine Neuinterpretation des Trendmaterials aus den Siebzigern: Durch Kollaborationen mit jungen  Designern gelingt dem Familienunternehmen eine aufregende Kombination aus dem schlichten Naturmaterial und der Vision der abenteuerlustigen Designer.

Das Comeback der Achtziger 

Die Achtziger sind zurück: Ob im Design, in der Mode oder in der Kunst – Die zeitgenössischen Werke sind geprägt von einem Jahrzehnt, das einen einzigartigen Stil repräsentierte, ohne je seine Umrisse klar zu definieren. Die Achtziger waren eine Epoche der Extravaganz und großen Namen – vermutlich entstanden dort die Stardesigner, die bis heute maßgebend für die Branchenentwicklung sind. Während es zur damaligen Zeit erhebliche nationale Unterschiede gab, steht die neue Welle der Achtziger nicht nur für Extravaganz und farbliche Vielfalt sondern auch für das Unperfekte. Denn neben wilden Farbkombinationen und Edelstahlmöbeln finden wir Elemente aus recycelten Materialien, die fast bastelhaft wirken. Warum immer mehr Designer auf den Zug aufspringen? Da sind sich die Experten uneinig. Während einige den Ruf nach Wertigkeit und Nachhaltigkeit dahinter vermuten, setzen andere auf nostalgische Hintergründe und den Wunsch, ein bestimmtes Lebensgefühl in das moderne Zeitalter zurückzuholen. 

Inspiration aus den Achtzigern: Moderne Kombination aus Sichtbeton und Terrazzo / © www.designhause.de

Schlichtes Design aus Holz / © Woud

Zeitgenössische Handarbeit

Im Gegensatz zu den traditionellen, absichtlich unvollkommenen Objekten der vergangenen Jahre, legen Designer wieder mehr Wert auf handgefertigte Gegenstände. Daraus entstehen industrienahe Produkte, die einerseits äußerste Präzision widerspiegeln, andererseits aber erstaunlich modern sind. Auch hier liegt die Ursache ein Stück weit darin, dass wir überfordert sind mit der Vielfalt und Fülle, die der Markt derzeit hergibt. Da liegt es nahe, sich auf hochwertige Stücke abseits der Massenproduktion zu besinnen, die den Ansprüchen an zeitgenössisches Design trotzdem gerecht werden. Gestaltung und Produktion gehen hier eine kompromisslose Symbiose ein, um die Einzigartigkeit der Produkte zu wahren. Der wohl schönste Trend, der uns in unserer Arbeit bestätigt.

Die Neuinterpretation des Altertums 

Als Gegenbewegung zum skandinavischen Minimalismus scheinen die alten Griechen und Römer gerade eine Wiedergeburt zu erleben: Massive Bögen, geschwungenen Linien und verschiedenen geriffelten Säulen aus Marmor folgen der starken Charakteristik des Altertums. Ob durch aufwändig gestaltete Böden mit goldfarbenen Linien, goldene Waschbecken oder traditionelles Porzellan mit auffälliger Musterung – Wir fühlen uns unmittelbar zurückversetzt in die Zeit der Fantasie und Opulenz. 

Elegante Opulenz: Eine Hommage an die alten Griechen / © FENDI Casa

Titelbild via © TINEKHOME

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